Straße wird fast doppelt so teuer
Die Stadt Köln rechnet für die Leonhardsgasse mit 1,914 Mio. Euro statt der beschlossenen 1,095 Mio. Euro, ein Plus von rund 75 Prozent.
Was ist passiert?
In Lindenthal trifft die Leonhardsgasse auf die Hauptstraße und die Blaugasse. Die Stadt Köln wollte diesen Knotenpunkt umgestalten und die Leonhardsgasse von Grund auf instand setzen. Im September 2020 beauftragte der Mobilitätsausschuss die Verwaltung dafür mit Gesamtkosten von 1.095.200 Euro.
Gebaut wurde erst 2024. Schon der Zuschlag für den Straßenbau lag mit rund 1,28 Mio. Euro um etwa 288.000 Euro über dem ursprünglichen Ansatz von 992.200 Euro (1.280.000 minus 992.200). Die Verwaltung führt das auf stark gestiegene Baustoffpreise, ein hohes Preisniveau und die Folgen der Ukraine-Krise zurück. Das mag stimmen, erklärt aber nur einen Teil der Geschichte.
Denn während der Arbeiten kamen Nachträge, Mehrmengen und zusätzliche Leistungen von rund 455.000 Euro hinzu, also mehr als die gesamte Preissteigerung bis zur Vergabe. Die Baustelle förderte einiges zutage: einen stillgelegten Kanal, der in keinem Planwerk verzeichnet war und aufwendig gedämmt werden musste, in weiten Teilen nicht tragfähigen Boden, der ausgetauscht wurde, und im Kreuzungsbereich einen großen Hohlraum, der lagenweise verfüllt werden musste. Wegen einer geänderten Verkehrsführung wurde zudem am Wochenende gearbeitet. Auch die Beleuchtung wuchs: Geplant war nur der Austausch im Knotenpunkt, erneuert wurde sie in der gesamten Gasse. Die Kosten dafür stiegen von 23.000 auf rund 59.000 Euro.
Am Ende stehen rund 1.914.000 Euro, mehr als 818.000 Euro über dem Beschluss (1.914.000 minus 1.095.200). Der Rat wird erst jetzt unterrichtet, nachdem bereits rund 1,66 Mio. Euro ausgegeben sind. Die Anlieger zahlen nichts, weil das Land den Anliegeranteil zu 100 Prozent fördert, auch für die Mehrkosten. Die Stadt muss ab 2027 zusätzlich jährlich 37.100 Euro abschreiben.
Kritik
Wer eine Straße mitten im Wohngebiet aufreißt, muss mit Kanälen, schlechtem Untergrund und Hohlräumen rechnen. Dafür gibt es Baugrund- und Leitungsuntersuchungen, die vor dem Beschluss abgeschlossen sein sollten und nicht erst während des Baus. Dass zwischen Beschluss 2020 und Baubeginn 2024 vier Jahre lagen, hätte außerdem einen aktualisierten Kostenansatz nötig gemacht, bevor die Politik mit veralteten Zahlen plant. Dass die Anlieger am Ende nichts zahlen, ändert nichts daran, dass die Mehrkosten von der Allgemeinheit getragen werden.
0844/2026: Mitteilung über die Erhöhung der Investitionsauszahlungen gemäß §25 Abs. 1 Nr. 2 KomHVO NRW i.V.m. §12 der Haushaltssatzung der Stadt Köln für das Haushaltsjahr 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 12. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.