Straßenbahn-Neubau: 160 statt 84 Millionen
Die Kölner Stadtbahn in Rodenkirchen kostet 160 statt 84 Millionen Euro, weil Bomben im Boden lagen und der Bau vier Jahre länger dauert
Was ist passiert?
Die Kölner Nord-Süd Stadtbahn soll in Rodenkirchen von der Haltestelle Marktstraße über die Bonner Straße bis zum Verteilerkreis Süd verlängert werden. Auf gut 2,1 Kilometern sind vier neue Haltestellen vorgesehen. Als der Rat das Vorhaben im Juni 2015 beschloss, standen dafür rund 84 Mio. Euro im Plan, bei einer Bauzeit von 36 Monaten.
Daraus wurden zunächst 60 Monate. Zwei Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss verzögerten schon die Baumfällungen bis Oktober 2017. Als im Juni 2021 der erste große Bauauftrag an eine Arbeitsgemeinschaft vergeben wurde, lag er bei 53,3 Mio. Euro. Im Baubeschluss waren dafür rund 38 Mio. Euro angesetzt gewesen, also gut 15 Mio. Euro weniger (53,3 minus 38).
Dann kamen die Bomben. Im oberflächennahen Baufeld fanden sich bisher sechs Kampfmittel, dreimal musste evakuiert werden. Im Sommer 2022 stand die Baustelle rund sechs Monate still, seitdem begleitet ein Feuerwerker jeden Aushub. Nach heutiger Planung verlängert sich die Bauzeit um etwa vier Jahre, die Stadtbahn soll erst 2029 fahren. Allein für die Kampfmittelfolgen veranschlagt die Verwaltung 31,7 Mio. Euro, rechnerisch rund 5,3 Mio. Euro je Fund (31,7 geteilt durch 6). Die Funde seien trotz einer Auskunft zur Kampfmittelbelastung nicht absehbar gewesen. So lautet die Darstellung der Verwaltung.
Besonders schwer wiegt der Faktor Zeit. Die Baunebenkosten für Projektsteuerung, Bauüberwachung, Gutachter und Rechtsberatung stiegen von 6 auf 26,8 Mio. Euro, ein Plus von 20,8 Mio. Euro. Ein Teil davon war im Baubeschluss schlicht nicht vollständig erfasst.
Insgesamt rechnet die Stadt mit Mehrkosten von rund 76 Mio. Euro und Gesamtkosten von rund 160 Mio. Euro. Je Kilometer waren das einmal rund 40 Mio. Euro (84 geteilt durch 2,1), nun sind es rund 76 Mio. Euro (160 geteilt durch 2,1). Dabei sind 114 eingereichte Nachträge nur zum Teil geprüft, und mehrere Gewerke wie der Haltestellenbau sind noch gar nicht ausgeschrieben. Auf weitere 37 Mio. Euro Fördergeld hofft die Stadt, ein Bescheid steht aus.
Kritik
Der Rat beschloss den Bau 2015, bevor das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen war, und damit ohne zu wissen, welche Auflagen auf die Stadt zukommen. Dass bei einem Bau mitten im Kölner Straßenraum Kampfmittel und unbekannte Leitungen im Boden liegen können, hätte als Risiko mit Puffer eingeplant werden müssen, statt als unvorhersehbar zu gelten. Die zeitabhängigen Baunebenkosten wurden mit 6 Mio. Euro für eine lange Bauzeit viel zu knapp angesetzt. Wer ein Projekt mit einem Baubeschluss für 84 Mio. Euro auf den Weg bringt, das am Ende fast das Doppelte kostet, hat dem Rat und den Bürgern keine belastbare Zahl vorgelegt.
1487/2026: Mitteilung über eine Kostenerhöhung gemäß § 25 Abs. 1 Nr. 2 KomHVO i.V.m. § 12 der Haushaltssatzung der Stadt Köln für das Haushaltsjahr 2025/2026, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 8. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.