Staatsbilanz

Stadt/Krefeld/Fehlplanung

1,5 Millionen Euro für marodes Kulturhaus

Krefeld zahlt 1,54 Millionen Euro, weil im Kulturhaus Fabrik Heeder seit den 1980ern der Brandschutzplan fehlt und Asbest steckt

Was ist passiert?

Krefeld (NRW). Die Fabrik Heeder an der Virchowstraße ist ein denkmalgeschütztes Gebäude von 1906. Die Stadt nutzt sie als Kulturzentrum mit Studiobühnen, zwei Sälen, Probebühnen der Theater Krefeld und Mönchengladbach, Gaststätte und dem Kostümfundus des Theaters. Der älteste Teil des Komplexes heißt Heeder I.

Anfang 2025 prüfte ein Sachverständiger das Trinkwassersystem und fand Mängel. Um deren Ursachen zu klären, ließ die Stadt Decken und Wände öffnen, und dahinter kam mehr ans Licht: Brandschutzklappen in den Lüftungskanälen enthielten Asbest und waren nicht zulassungskonform eingebaut. Die Rauchabführung des Fundus endete so nah am Nachbargebäude, dass ein Brandüberschlag möglich gewesen wäre. Am Holztragwerk des Dachs hatten sich Verbindungen gelöst. Und für Heeder I gab es seit den letzten Umbauten in den 1980er Jahren nie ein Brandschutzkonzept. Es muss nun erst erstellt werden.

Der Proben- und Aufführungsbetrieb in Heeder I ist eingestellt. Das Theater probt in einer Turnhalle am Wehrhahnweg, eine Produktion fand in einer Shedhalle Unterschlupf. Für die Studiobühne fehlt eine Ausweichspielstätte, obwohl die Spielzeiten ab Sommer 2027 geplant werden müssen.

Der Betriebsausschuss soll am 19. März 2026 Kosten von 1.542.000 Euro brutto feststellen. 500.000 Euro sind schon 2025 für Sofortmaßnahmen geflossen, bis die Grenze der Betriebssatzung erreicht war. Die Summe besteht aus 1.284.000 Euro Baukosten und 258.000 Euro Risikoaufschlag. Das sind 20 Prozent, weil das Bauen im Bestand schwer kalkulierbar ist. Allein 720.000 Euro entfallen auf technische Anlagen, rund 56 Prozent der Baukosten (720.000 durch 1.284.000). Die Arbeiten sollen von April 2026 bis Dezember 2027 dauern, dazu kommen jährlich rund 50.000 Euro Folgekosten.

Das Geld soll nur den Teilbetrieb sichern, also Bürgerbüro, Gastronomie, Büros, Wohnung und Fundus. Die Generalsanierung mit Entwässerung, den 39 Jahre alten Aufzügen und dem Schallschutz ist darin nicht enthalten. Ihre Kosten sind offen, eine Machbarkeitsstudie soll sie klären. Die Stadt beruft sich auf ihre Betreiberverantwortung. Bei Asbest und fehlendem Brandschutz ist das schwer zu bestreiten.

Kritik

Ein Haus, das jahrzehntelang ohne Brandschutzkonzept betrieben wurde, zeigt, dass Prüfung und laufende Bauunterhaltung versäumt wurden. Nun zahlen die Bürger für Notmaßnahmen, während das Theater ohne Spielstätte dasteht. Erst die Gesamtkosten der Generalsanierung zu klären und dann die Einzelmaßnahmen darauf abzustimmen, wäre sparsamer gewesen. Kommunale Gebäude brauchen regelmäßige Sicherheitsprüfungen und einen Sanierungsplan, bevor aus dem Stau ein Notfall wird.

611/26 -: - Verwaltungsvorlage Sanierungsbedarfe bei der Fabrik Heeder, Virchowstr. 130, Ratsinformationssystem der Stadt Krefeld, 19. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge aus Krefeld

  1. 15.10.2026Krefeld 9 Millionen für ein altes Krefelder Bad 111.000 € Krefeld will im alten Stadtbad ein Jugendhaus für 9 Millionen Euro bauen, doch 111.000 Euro Betriebskosten pro Jahr sind nicht bezahlt
  2. 14.10.2026Krefeld Kita-Anbau in Krefeld kostet 4,5 Millionen 4,5 Mio. € Der Anbau der Kita an der Ritterstraße in Krefeld soll 4,5 Millionen Euro kosten, beschlossen waren 1,42 Millionen, fertig wird er 34 Monate später
  3. 14.10.2026Krefeld 8,65 Millionen für Krefelder Schule 8,65 Mio. € Für die Sanierung des Gymnasiums Fabritianum in Krefeld sollen 8,65 Millionen Euro beschlossen werden, obwohl erst 1,5 Millionen Euro bereitstehen

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz