9 Millionen für ein altes Krefelder Bad
Krefeld will im alten Stadtbad ein Jugendhaus für 9 Millionen Euro bauen, doch 111.000 Euro Betriebskosten pro Jahr sind nicht bezahlt
Was ist passiert?
Das Stadtbad an der Neusser Straße in Krefeld soll wiederbelebt werden. Ein Teil des Gebäudes ist als Haus für Jugendkultur und Quartiersleben vorgesehen. Wie das bezahlt werden soll, war in diesem Jahr allerdings völlig offen.
Bei der Aufstellung des Wirtschaftsplans 2026 stellte die Stadt das Vorhaben nämlich zur Diskussion und plante dafür kein weiteres Geld ein. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits Planungsleistungen im Wert von rund 493.000 Euro bezahlt worden. Für 2026 blieben nur 20.000 Euro aus übertragenen Resten übrig.
Nun ist das Projekt zurück, und zwar mit 8,5 Millionen Euro im Wirtschaftsplan des städtischen Gebäudemanagements ab 2027. Die gesamten Ausgaben, die beantragt werden sollen, liegen bei 9 Millionen Euro, weil bereits Geld geflossen ist. Der Grund für den Sinneswandel ist die in Aussicht gestellte Städtebauförderung. Das Stadtbad ist Teil eines Pakets von rund 35 Millionen Euro, das Krefeld für die Innenstadt anmelden will. Der Antrag soll bis zum 30. Oktober 2026 bei der Bezirksregierung eingehen, der Rat entscheidet erst am 5. November. Die Verwaltung nennt das gängige Praxis.
Die Förderung deckt nur einen Teil. Bei einem Fördersatz von 70 Prozent bleiben 2,7 Millionen Euro bei der Stadt. Der Zuschuss von 6,3 Millionen Euro ist erst nach Abschluss der Maßnahme im Jahr 2033 eingeplant. Hoffnung macht der Stadt ein Satz von 80 Prozent, der den Eigenanteil auf 1,8 Millionen Euro senken würde. Eingeplant ist er aber nicht.
Dazu kommen Abschreibungen und Zinsen von rund 111.000 Euro pro Jahr, also etwa 304 Euro pro Tag (111.000 Euro geteilt durch 365). Sie müssen laut Vorlage durch einen höheren Zuschuss der Kernverwaltung gedeckt werden oder verschlechtern das Jahresergebnis. Eine Lösung nennt die Vorlage nicht. Der Umfang wurde wegen der Haushaltslage ohnehin gekürzt: Wandelgang und Café entfallen, und die Durchwegung von der Neusser Straße gibt es nicht mehr.
Kritik
Ein Projekt, das wegen der Haushaltslage 2026 ohne Geld blieb, darf nicht allein deshalb zurückkehren, weil ein Zuschuss lockt. Wer 2,7 Millionen Euro Eigenanteil und dauerhaft 111.000 Euro Folgekosten pro Jahr auslöst, muss vorher sagen, woher das Geld kommen soll. Auch ein verkleinertes Haus ohne Durchgang und Café bleibt für die Stadt eine Dauerlast. Sinnvoll wäre gewesen, die Betriebskosten zu klären, bevor der Antrag gestellt wird, und nicht erst danach.
887/26 -: - Verwaltungsvorlage ISEK Innenstadt - Anmeldung Städtebauförderung Erstantrag 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Krefeld, 15. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.