Radweg für 415.000 statt 150.000 Euro
Der Umbau eines Radwegs an der Untergath auf 2.490 Quadratmetern soll 415.000 Euro kosten, beauftragt wurde er zunächst für 150.000 Euro
Was ist passiert?
Auf rund 2.490 Quadratmetern soll der Radweg an der Untergath zwischen Dießemer Bruch und Alte Untergath samt Randbereichen umgestaltet werden. Das klingt nach einer überschaubaren Tiefbaumaßnahme, und so wurde sie auch kalkuliert: Die Kostenschätzung der Vorplanung stammt aus dem vierten Quartal 2020.
Im Dezember 2021 vergab die Stadt einen Auftrag über 150.000 Euro, im Oktober 2022 wurde das Volumen auf 211.000 Euro erhöht. Nun sollen die Gesamtkosten inklusive rund 4.000 Euro Planungskosten auf 415.000 Euro festgesetzt werden. Das sind 204.000 Euro mehr, fast ein Verdopplung des zuletzt genannten Betrags (204.000 : 211.000 ≈ 97 Prozent). Gegenüber dem ersten Auftrag ist es fast das Dreifache (415.000 : 150.000 ≈ 2,8).
Die Verwaltung führt die Steigerung auf „vertiefte Planung“ zurück. Im Einzelnen genannt werden der Schutz von Bestandsbäumen, Baumfällungen mit zwei neuen Baumstandorten als Ausgleich, Randeinfassungen und tastbare Elemente für sehbehinderte Menschen, instandgesetzte Asphaltflächen in den Kreuzungen, Anpassungen in den Randbereichen sowie die Baupreise, die seit 2020 gestiegen seien. Je Quadratmeter lagen die Kosten ursprünglich bei rund 85 Euro (211.000 : 2.490). Künftig sollen es etwa 165 Euro sein (411.000 : 2.490).
Bemerkenswert ist die Begründung für die Eile. Da der Haushalt 2026 noch nicht beschlossen war, die Stadt also vorläufig wirtschaftete, beruft sich die Verwaltung auf die Verkehrssicherungspflicht. Die Asphaltoberflächen in den Kreuzungen seien „akute Gefahrenstellen“, die keinen Aufschub duldeten. Festgestellt wurden diese Mängel allerdings erst bei der Ausführungsplanung, also mehr als fünf Jahre nach der ersten Schätzung. Die 204.000 Euro Mehrbedarf waren zum Stand der Vorlage nur im Entwurf des Haushaltsplans 2026 vorgesehen. Der zuständige Ausschuss sollte die neuen Kosten am 1. Juli 2026 beschließen. Wie er entschied, ist nicht bekannt.
Kritik
Eine Kostenschätzung, die nach der Planungsvertiefung um fast 100 Prozent steigt, war von Beginn an zu knapp bemessen. Baumschutz, Barrierefreiheit und Anpassungen in den Randbereichen sind keine Überraschungen, sondern gehören zu jedem Radwegprojekt und hätten von Anfang an eingerechnet werden müssen. Dass eine Schätzung von 2020 jahrelang unverändert Grundlage blieb, obwohl die Baupreise stiegen, zeigt mangelhaftes Kostenmanagement. Wer akute Gefahrenstellen erst spät entdeckt, hat zuvor nicht gründlich genug geprüft. Der Bürger sollte auf realistische Kostenansätze von Beginn an vertrauen können, statt Mehrkosten im Nachhinein mit Zeitdruck begründet zu bekommen.
716/26 -: - Verwaltungsvorlage Kostenerhöhung Radweg Untergath von Dießemer Bruch bis Alte Untergath, Ratsinformationssystem der Stadt Krefeld, 1. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.