Regen ruinierte Kita-Neubau: 1,81 Mio. Euro
In Krefeld muss die Stadt die Holzwände eines Kita-Anbaus ersetzen, weil Regen eindrang, und rechnet mit 1,81 Millionen Euro Kosten
Was ist passiert?
Neben der Kita an der Ritterstraße 150 baut die Stadt einen Erweiterungsbau mit der Hausnummer 142. In zwei inklusiven Gruppen sollen dort 27 bis 40 Kinder ab vier Monaten bis zum Schuleintritt betreut werden, dazu kommt ein eigener Raum für das Familienzentrum. Geplant wurde das Gebäude in Holz-Beton-Hybridbauweise, die Arbeiten begannen im April 2023.
Im Mai 2024 drang dann Niederschlagswasser in die Holzkonstruktion ein, weil die Baustelle nach Darstellung der Stadt nur unzureichend geschützt war. Ein Sachverständiger machte Architekt und Holzbauer als Verursacher aus. Beide bestreiten ihre Verantwortung. Eine Einigung gelang trotz Anwaltssozietät nicht. Die Stadt kündigte dem Holzbauer im März 2025 teilweise, dem Architekten im Mai 2025 außerordentlich. Erst danach konnte eine Ersatzfirma mit der Sanierung beginnen, im April 2025, knapp ein Jahr nach dem Schaden.
Was die Firma vorfand, war gravierend: Im Erdgeschoss ist der Schimmelbefall so groß, dass ein Entfernen die Standsicherheit gefährden würde. Im Obergeschoss fand sich sogar ein holzzerstörender Pilz. Deshalb werden die Holzrahmenwände beider Geschosse bis auf Deckenbalken und Rähme ausgebaut und ersetzt. Um das ganze Haus wurde zudem eine Wetterschutzeinhausung errichtet. Eine solche Hülle hätte der Rohbau offenbar auch vorher gebraucht.
Die Kosten werden auf 1.810.000 Euro brutto geschätzt, darin steckt ein Zuschlag von 10 Prozent (164.500 Euro). Davon entfallen 1,32 Millionen Euro auf die Sanierung samt Beseitigung von Mängeln aus der Architektenplanung und 490.000 Euro auf die Bauzeitverlängerung. Je Betreuungsplatz sind das bei 40 Kindern 45.250 Euro (1.810.000 : 40), bei 27 Kindern rund 67.000 Euro. Die Sanierung soll bis Mitte April 2026 dauern, der Neubau im Dezember 2026 fertig sein.
Die Stadt will das Geld als Schadensersatz einfordern und sieht deshalb keine Folgen für das Jahresergebnis, allerdings „vorbehaltlich der Erstattung“. Dieser Vorbehalt trägt einiges an Gewicht, denn die Verwaltung geht selbst davon aus, dass am Ende ein Gericht entscheiden muss. Der Ausschuss soll der bereits laufenden Maßnahme am 29.01.2026 zustimmen.
Kritik
Ein Rohbau aus Holz muss von der ersten Stunde an gegen Regen gesichert sein, die Wetterschutzhülle kam aber erst nach dem Schaden. Wer ein Gebäude in dieser Bauweise beauftragt, muss den Witterungsschutz vertraglich festlegen und auf der Baustelle kontrollieren. Dass die Stadt fast ein Jahr bis zum Sanierungsbeginn brauchte, hat den Verzug allein mit 490.000 Euro teuer gemacht. Solange nicht geklärt ist, wer zahlt, liegt das Risiko von 1,81 Millionen Euro bei den Steuerzahlern.
163/25 -: - Verwaltungsvorlage Baustelle Kita Ritterstr. 142 - Sanierung des im Mai 2024 entstandenen Wasserschadens, Ratsinformationssystem der Stadt Krefeld, 29. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.