Teurer Pfad, der trotzdem zu schmal bleibt
Für 227.000 Euro soll in Krefeld ein Weg entstehen, der mit 1,50 m Breite unter der empfohlenen Mindestbreite von 2 m liegt.
Was ist passiert?
Zwischen den Straßen Kanesdyk und Breiten Dyk in Krefeld schlängelt sich ein Trampelpfad über eine Wiese, gesäumt von Brombeeren und Gehölzen. Die Fläche gehört der Stadt, liegt in einem Landschaftsschutzgebiet und ist als Vertragsnaturschutzfläche registriert. Nun soll aus dem Pfad ein richtiger Weg werden.
Das Vorhaben hat eine lange Vorgeschichte. 2021 stellten CDU sowie SPD, Grüne und Linke Anträge für den Ausbau. Die Verwaltung lehnte den Bau eines Fuß- und Radweges 2022 zunächst ab, und zwar unter Verweis auf das Landschaftsschutzrecht. Die Bezirksvertretung Nord hielt diese Begründung für nicht nachvollziehbar und beauftragte die Verwaltung im August 2022 erneut, den Ausbau voranzubringen.
Das Ergebnis: Der bisher rund 0,50 m breite Pfad soll zu einem Weg mit heller, wassergebundener Decke werden. Wegen des teils dauerhaft nassen Untergrunds kommt eine Einfassung aus Naturstein oder Öko-Pflaster hinzu. Der Weg soll höchstens 1,50 m breit werden, plus je 15 cm Einfassung links und rechts, also 1,80 m. Das ist dreimal so breit wie der Pfad, aber immer noch schmaler als die 2 m, die nach den von der Verwaltung zitierten Empfehlungen für Radwege (ERA 2010) außerorts mindestens gelten sollen. Radfahrer werden deshalb nur geduldet, vorrangiges Ziel sei der Fußverkehr. Die Verwaltung räumt die Abweichung in der Vorlage selbst ein.
Die Vertragsnaturschutzfläche schrumpft dafür um rund 2.530 m². Am Rand sollen etwa 500 m² Brombeeren und Sträucher weichen. Als Ausgleich sind eine Streuobstwiese mit sieben Obstgehölzen und weitere Ersatzpflanzungen vorgesehen. Die Kosten setzt die Vorlage auf 227.000 Euro fest. Der Umweltausschuss sollte am 25.06.2026 darüber beschließen, ausgeschrieben werden kann erst nach Genehmigung des Haushalts 2026. Ob der Beschluss gefasst wurde, ist unbekannt. Die Verwaltung hält den Ausbau für gerechtfertigt, weil er eine Netzlücke schließe und den Nutzungsdruck auf das Schutzgebiet lenke.
Kritik
227.000 Euro für einen Weg, der weder die empfohlene Mindestbreite erreicht noch für Radfahrer gedacht ist, stehen in keinem guten Verhältnis zum Nutzen. Besonders schwer wiegt, dass dafür Naturschutzfläche von rund 2.530 m² aufgegeben wird, obwohl die Verwaltung den Weg zunächst selbst aus Gründen des Landschaftsschutzes abgelehnt hatte. Die Stadt hätte einen einfachen, schmalen Fußweg ohne aufwendige Einfassung prüfen sollen, der den Eingriff in das Schutzgebiet und die Kosten klein hält. Wer einen Weg baut, der nach eigener Aussage den Standards nicht genügt, sollte zumindest nachweisen, dass er sein Geld wert ist.
877/26 -: - Verwaltungsvorlage Ausbau Trampelpfad zwischen Kanesdyk und Breiten Dyk als wassergebundene Wegedecke, Ratsinformationssystem der Stadt Krefeld, 25. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.