Staatsbilanz

Stadt/Leverkusen/Fehlender Bedarf

2 Mio. Euro Wachschutz für 144 Menschen

Leverkusen zahlt 2025 für Wachdienste in sechs Flüchtlingsheimen 7,87 Mio. Euro, in einem Heim fast 2 Mio. Euro für nur 144 Bewohner

Was ist passiert?

Die Stadt bringt Asylbewerber und Flüchtlinge in sechs städtischen Sammelunterkünften unter, derzeit leben dort 908 Menschen. Zum Betrieb gehört jeweils ein Sicherheitsdienst. Was der kostet, wurde durch eine Anfrage der AfD-Fraktion im Rat bekannt.

Für 2025 summieren sich die Wachdienste an den sechs Standorten auf rund 7,87 Mio. Euro. Den größten Posten hat die Unterkunft an der Heinrich-Lübke-Straße 140a: knapp 1,98 Mio. Euro, und das bei nur 144 Bewohnern. Je Kopf sind das rund 13.800 Euro im Jahr (1.982.710 : 144), also knapp 38 Euro am Tag. An der Sandstraße 69 bis 71 leben 345 Menschen, die Wachdienste kosteten dort gut 1,02 Mio. Euro. Das sind knapp 3.000 Euro je Bewohner, ein Viertel des Lübke-Werts.

Besonders auffällig ist das Verhältnis zu den übrigen Kosten. An der Heinrich-Lübke-Straße kostete der Sicherheitsdienst fast das Dreifache der gesamten Betriebskosten (693.836 Euro) und mehr als das Zehnfache der Personalkosten für die Betreuung (186.486 Euro). Die Stadt hat für 2024 durchschnittliche Gesamtkosten von 546 Euro je Person und Monat ermittelt. Allein der Wachdienst kommt dort auf rund 1.150 Euro im Monat (13.769 : 12). Die Jahre sind verschieden, die Größenordnung ist es nicht.

Die Verwaltung erklärt die Unterschiede nicht. Sie verweist nur darauf, dass nach der Sanierung der Sandstraße Synergien beim Sicherheitsdienst entstehen sollen. Zugleich teilt sie mit, an den Standorten seien keine systemischen Nutzungskonflikte bekannt. Vorfälle werden nach eigener Auskunft gar nicht ausgewertet. Ein belegter Bedarf für den hohen Aufwand fehlt damit.

Allerdings liegt nicht nur die Heinrich-Lübke-Straße weit vorn: Die Josefstraße kommt auf rund 11.100 Euro je Bewohner, die Heinrich-Claes-Straße 33a auf rund 11.900 Euro. Die günstige Sandstraße ist eher die Ausnahme.

Kritik

Knapp 2 Mio. Euro Wachschutz für 144 Bewohner sind eine Ausgabe, die sich ohne belegten Bedarf nicht rechtfertigen lässt, zumal die Stadt selbst keine Konflikte an den Standorten kennt. Dass ein Standort je Kopf das Mehrfache eines anderen kostet, hätte die Verwaltung längst hinterfragen müssen. Wachzeiten, Zahl der Posten und Stundenpreise gehören auf den Prüfstand, die Verträge gegebenenfalls neu ausgeschrieben oder verhandelt. Sicherheit in Unterkünften ist notwendig, sie muss aber am tatsächlichen Risiko des einzelnen Standorts bemessen werden.

AF/2026/197: Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen in Leverkusen, Ratsinformationssystem der Stadt Leverkusen, 1. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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