552.000 Euro für Helfer an einer Grundschule
Leverkusen zahlt an der Kerschensteiner-Grundschule 552.422 Euro für Helfer im Unterricht, obwohl 15 Einzelbetreuungen für Kinder weiterlaufen
Was ist passiert?
An der Kerschensteiner-Grundschule in Leverkusen begleiten bislang einzelne Schulbegleiter Kinder mit einer (drohenden) seelischen Behinderung durch den Schultag. Das Jugendamt bezahlt diese Einzelfallhilfen nach § 35a SGB VIII, und weil sie sich an dieser Schule besonders häufen, wurde sie für einen Versuch ausgewählt.
Künftig soll ein Pool von Assistenzkräften für die Klassen 1 und 2 da sein, unabhängig vom individuellen Anspruch eines Kindes. Sie sollen vormittags im Unterricht helfen und an zwei Nachmittagen Gruppenarbeit anbieten. Für das Schuljahr 2026/2027 kalkuliert die Stadt dafür 552.422,55 Euro. Den Auftrag soll ein Kölner Träger bekommen. Die Verwaltung hatte mehrere freie Träger gefragt, einer erklärte sich bereit, die übrigen lehnten ab.
Die Verwaltung begründet das Vorhaben mit steigenden Fallzahlen und dem Wunsch nach vorbeugender Hilfe. Zugleich legt sie eine Rechnung vor. Laut Schulleitung brauchen 37 Kinder Unterstützung. Nur mit Einzelfallhilfen würde das 2,22 Millionen Euro kosten, also 60.000 Euro je Kind (2.220.000 geteilt durch 37). Weil im ersten Jahr erfahrungsgemäß weiter Einzelhilfen laufen, rechnet die Stadt vorsichtig mit 15 verbleibenden Fällen für 900.000 Euro, ebenfalls 60.000 Euro je Fall. Übrig bliebe eine Entlastung von 767.577,45 Euro (2.220.000 minus 552.422,55 minus 900.000). Gespart wird also nur, wenn Kinder tatsächlich nicht mehr einzeln begleitet werden müssen. Geld sparen sei ohnehin nicht das vorrangige Ziel, betont die Vorlage selbst.
Das Projekt soll zunächst nur für ein Schuljahr bewilligt werden. Die wissenschaftliche Begleitung der Universitäten Wuppertal und Köln umfasst jedoch eineinhalb Schuljahre, die Ergebnisse liegen also nach der Bewilligung erst teilweise vor. Nach der Vorlage vom 28. Mai 2026 soll der Rat am 13. Juli 2026 entscheiden.
Kritik
Die Ersparnis von gut 767.000 Euro ist eine Rechnung auf dem Papier, die Ausgabe von 552.422,55 Euro für eine einzige Schule dagegen ist sicher. Sie beruht auf der Schätzung der Schulleitung, dass 37 Kinder Hilfe brauchen, und auf der Annahme, jedes davon würde sonst 60.000 Euro kosten. Wenn 15 Einzelfallhilfen ohnehin weiterlaufen, kommt der Pool zu einem großen Teil obendrauf. Ein Pilot dieser Größe sollte erst starten, wenn feststeht, welche Einzelfälle er tatsächlich ersetzt, und er sollte klein genug sein, dass ein Scheitern verkraftbar bleibt. Dass nur ein einziger Träger mitmachen wollte, schwächt zudem die Verhandlungsposition der Stadt bei den Kosten.
2026/0383: Infrastrukturmodell/Poolmodell GGS Kerschensteinerschule - Pilotprojekt, Ratsinformationssystem der Stadt Leverkusen, 11. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.