Staatsbilanz

Stadt/Leverkusen/Fehlender Bedarf

8 Millionen für ein altes Heim in Opladen

Leverkusen will ein Flüchtlingshaus von 1968 mit 28 Wohnungen für 8 Millionen Euro sanieren, obwohl weniger Geflüchtete kommen und ein Konzept fehlt

Was ist passiert?

Die Flüchtlingsunterkunft an der Sandstraße in Opladen besteht aus mehreren Gebäuden. 2018 kamen neue Wohn- und Sozialgebäude hinzu, 2025 zwei weitere Wohngebäude. Nur der Altbau von 1968 blieb, wie er war: Nennenswert saniert wurde er seither nie.

Der Zustand ist schlecht. Die Fenster sind laut Stadt oft so defekt, dass weder Lüften noch Personenrettung möglich ist, Wohnräume und Bäder sind gesundheitsschädlich verschimmelt, die Regenwasserleitungen im Boden sind gebrochen. Eine nachträglich angebrachte Innendämmung wurde bauphysikalisch zum Problem und soll nun ersatzlos entfernt werden. Das Haus mit seinen 28 Apartments kann derzeit nur noch reduziert belegt werden.

Die Stadt plant deshalb eine Komplettsanierung auf KfW-55-Standard und rechnet mit 8 Mio. Euro, darin ein Risikozuschlag von 20 Prozent. Der KfW-Zuschuss beträgt höchstens 1,91 Mio. Euro. Bleiben 6,09 Mio. Euro für die Stadt, das sind 217.500 Euro je Apartment (6.090.000 : 28). Ohne Zuschuss liegt die Wohnung bei rund 285.700 Euro (8.000.000 : 28). Bis zu 700.000 Euro für einen Wärmeverbund mit der benachbarten Kita kommen obendrauf. Ab 2028 sollen jährlich 200.000 Euro Personal und Sachaufwand sowie rund 464.000 Euro Abschreibungen anfallen, zusammen 664.000 Euro.

Die Verwaltung begründet das Vorhaben damit, dass das Haus nach der Sanierung voll belegt werden kann und andere Standorte aufgegeben werden können. Gemietete Wohnungen oder Containeranlagen sollen abgemietet werden. Was das spart, nennt die Vorlage nicht. Zugleich räumt die Stadt ein, dass die Zuweisungszahlen sinken, und erarbeitet erst noch eine neue Unterbringungskonzeption, die im ersten Quartal 2026 vorliegen soll. Die CDU-Fraktion fragte, ob es überhaupt ein Gesamtkonzept gibt.

Das Geld ist im Haushalt nicht eingeplant. Der Haushalt 2026 wird erst im Frühjahr aufgestellt, deshalb soll die Bezirksregierung Köln den vorzeitigen Baubeginn erlauben. Auch der Zeitplan hat eine Lücke: Der Zuschuss verfällt, wenn nicht bis 11.9.2027 gebaut ist, die Fertigstellung ist aber für April 2028 vorgesehen. Eine Verlängerung ist nur auf Antrag möglich.

Kritik

Eine Stadt mit Haushaltssicherungskonzept sollte nicht 285.700 Euro je Apartment für ein Haus von 1968 festlegen, solange sie selbst sinkende Zuweisungszahlen erwartet und noch kein Gesamtkonzept hat. Sicher sind 664.000 Euro Folgekosten im Jahr, die Einsparungen dagegen sind nur behauptet. Erst Bedarf und Konzept klären und dann Sanierung, Teilsanierung und Abmietung gegeneinander rechnen, das wäre der richtige Weg gewesen. So wird Geld gebunden, das der Haushalt gar nicht vorsieht, und der Zuschuss steht wegen des Zeitplans auch noch auf der Kippe.

2025/3521: Komplettsanierung Bestandsgebäude Flüchtlingsunterkunft Sandstraße 65/67 in Leverkusen-Opladen, Ratsinformationssystem der Stadt Leverkusen, 19. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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