1,2 Millionen für intakten Bahnhofsplatz
Magdeburg baut den Platz vor dem Hauptbahnhof mit Brunnen und Beeten um, obwohl er funktioniert: Pflege kostet 882.000 Euro in 30 Jahren
Was ist passiert?
Vor dem Magdeburger Hauptbahnhof liegt der Willy-Brandt-Platz, eingefasst vom Bahnhofsgebäude im Westen und dem City-Carré im Osten. Platanen säumen ihn, mittig quert die Straßenbahn, und seine heutige Form hat er seit dem Bau des City-Carrés 1997. Nun soll er an den Klimawandel angepasst werden: Flächen entsiegeln, Stauden pflanzen, Regenwasser versickern lassen, dazu ein Brunnen.
Der Bund übernimmt 85 Prozent der förderfähigen Ausgaben, höchstens 1,02 Mio. Euro. Die Stadt veranschlagt 1,2 Mio. Euro und trägt 180.000 Euro selbst. Dabei beschreibt die Verwaltung den Platz in der Vorlage als funktionsfähig. Er habe zwar gestalterische Mängel und eine schwache Aufenthaltsqualität, funktioniere aber als Platz und Verkehrsfläche und zeige nur geringfügige Abnutzungen.
Teuer wird vor allem das Danach. Für die 9.800 Quadratmeter rechnet die Stadt mit 1,50 Euro je Quadratmeter für Unterhaltung und nochmals 1,50 Euro für Betrieb, zusammen 29.400 Euro im Jahr. Über 30 Jahre sind das 882.000 Euro (29.400 Euro mal 30). Das ist fast das Fünffache des städtischen Eigenanteils (882.000 geteilt durch 180.000 ergibt 4,9).
Die Förderung zahlt zudem nur Teilmaßnahmen der Klimaanpassung, nicht den ganzen Umbau. Die bevorzugte Variante 2 sieht darüber hinaus einen grundhaften Ausbau mit neuer Entwässerung, taktilem Leitsystem, Brunnen und dem Schriftzug „MAGDEBURG“ vor, geschätzt auf rund 4,99 Mio. Euro. Das ist gut das Vierfache der 1,2 Mio. Euro der ersten Stufe (4.988.882 geteilt durch 1,2 Mio. ergibt 4,2). Dafür soll die Verwaltung erst noch ein Förderprogramm suchen und eine eigene Vorlage einbringen.
Hinzu kommt Zeitdruck: Der Bewilligungszeitraum endet am 31.12.2027, eine Verlängerung lehnte der Fördergeber ab. Die Städtischen Werke konnten die Leitungen im Untergrund noch nicht prüfen, die Stadt räumt daher spätere technische und finanzielle Anpassungen ein. Der Stadtrat sollte am 26.3.2026 über die Vorlage beschließen.
Kritik
Ein Platz, den die Verwaltung selbst als funktionierend und kaum abgenutzt beschreibt, braucht keinen Umbau, der über Jahrzehnte fast das Fünffache des Eigenanteils an Folgekosten verursacht. Wer mit 1,2 Mio. Euro eine erste Stufe baut, obwohl die Stadt die zweite Stufe mit rund 5 Mio. Euro nicht bezahlen kann, schafft Zugzwang für künftige Haushalte. Sinnvoller wären gezielte Maßnahmen wie Baumpflege und Entsiegelung, deren Pflegeaufwand klein bleibt, statt eines Gesamtkonzepts, das erst nachträglich finanziert werden soll. Fördergeld ist kein Argument, wenn der Nutzen den dauerhaften Aufwand der Stadt nicht erkennbar übersteigt.
DS0622/25: Umgestaltung Willy-Brandt-Platz - ein klimaangepasster Bahnhofsvorplatz, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 10. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.