5,3 Millionen für 1 km Straße in Magdeburg
Magdeburg plant an der Helmstedter Chaussee einen 5,3 Millionen Euro teuren Ausbau, gebaut wird aber nur, wenn Geld übrig ist; Planung kostet 303.000 Euro
Was ist passiert?
Die Helmstedter Chaussee im Stadtteil Alt Olvenstedt verbindet Irxleben mit der Landeshauptstadt. Auf dem tausend Meter langen Abschnitt zwischen Ortseingang und Weizengrund ist die Fahrbahn stellenweise rissig, der Gehweg auf der Südseite ist teils stark unterdimensioniert, und Radwege fehlen.
Ursprünglich sollte nur dieser südliche Gehweg vervollständigt werden. Er steht schon in der städtischen Maßnahmenliste, Geld dafür wurde bislang aber nie beschlossen. Weil nun eine neue Radverkehrskonzeption ansteht, will die Verwaltung den gesamten Straßenraum betrachten. Sie begründet das mit einer Netzlücke im Radverkehr und mangelnder Verkehrssicherheit. Aus dem Gehweg wurde so ein Komplettausbau.
Die vorläufige Kostenschätzung liegt bei 5.282.000 Euro brutto, das sind 5.282 Euro je Meter. Die Schätzung rechnet zudem 1,5 Prozent Preissteigerung je Quartal über zwölf Quartale ein und kommt für 2030 auf 6.315.443 Euro, also gut eine Million mehr (6.315.443 minus 5.282.157 = 1.033.286 Euro).
Die Kostenberechnung wirkt dabei nicht sehr sorgfältig. Die Nebenanlagen werden von 2.618.000 auf 2.850.000 Euro „gerundet“, ein Aufschlag von 232.000 Euro, fast so viel wie die gesamten Planungsmittel von 267.000 Euro. In die Summe gehen zwar die ungerundeten Werte ein, doch auch sie wird von 4.552.047,50 auf 4.600.000 Euro aufgerundet, ein Plus von 47.952,50 Euro. Bei der Fahrbahn steht außerdem „rd. 17.500 m²“, gerechnet wird mit 6.500 m². Die 17.500 entsprechen Fahrbahn und Nebenanlagen zusammen (6.500 plus 11.000).
Für die ersten Schritte sollen 2028 und 2029 insgesamt 267.000 Euro bereitgestellt werden, dazu kommen 36.000 Euro für 2027 aus dem laufenden Haushalt. Das macht 303.000 Euro. Gebaut wird laut Vorlage aber nur, wenn Fördermittel fließen oder freie Mittel da sind, „andernfalls erfolgt keine Realisierung“. Entscheiden soll der Stadtrat im Januar 2027.
Kritik
Wer 303.000 Euro für Planung ausgibt, sollte vorher wissen, ob das Projekt überhaupt bezahlbar ist. Hier steht der Bau ausdrücklich unter dem Vorbehalt, dass Geld übrig ist, sonst bleibt die Planung Makulatur. Eine Kostenschätzung mit Aufrundungen und einem widersprüchlichen Flächenwert taugt nicht als Grundlage für einen Beschluss über Millionen. Sinnvoller wäre, zuerst die günstige Variante mit Gehweg und Fahrbahnsanierung zu bewerten und den großen Ausbau erst anzugehen, wenn Förderung und Finanzierung stehen.
DS0375/26: Grundsatzbeschluss zum Ausbau der Helmstedter Chaussee in Magdeburg, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 20. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.