17,5 Millionen für Internet, das schon läuft
Magdeburg soll 17,5 Millionen Euro für 7.000 Adressen zahlen, obwohl dort schon 175 Mbit/s ankommen und kaum jemand klagt
Was ist passiert?
In Magdeburg bauen Telekommunikationsunternehmen das Glasfasernetz bisher auf eigene Rechnung aus. Die Telekom erschließt gerade Ottersleben, Buckau, Stadtfeld Ost und Teile von Stadtfeld West. Dazu kommt ein Kabelnetz von MDCC und Vodafone, das 1.000 Mbit/s liefern kann, bei der MDCC sogar bis zu 1.700 Mbit/s. Die Stadt selbst hat dafür bislang weder Fördermittel noch eigenes Geld gebraucht.
Das könnte sich ändern. Ende 2025 bot das Land Sachsen-Anhalt der Stadt an, gemeinsam mit dem Bund zu 100 Prozent zu fördern, wo das Netz als unterversorgt gilt. Die Markterkundung 2026 ergab rund 10.000 solcher Adresspunkte. Nach den Förderregeln gilt eine Adresse schon dann als unterversorgt, wenn kein Anbieter 300 Mbit/s schafft oder nicht zwei Anbieter je 100 Mbit/s. Die Verwaltung räumt selbst ein, dass auch ein Anschluss mit 175 Mbit/s darunter fällt, obwohl es bei Homeoffice, Schule und Streaming keine spürbaren Einschränkungen gebe. Beschwerden gibt es nur vereinzelt, aus der Berliner Chaussee, aus Salbke/Westerhüsen und aus Diesdorf.
Für rund 7.000 Adresspunkte käme ein Förderantrag in Frage. Bei etwa 5.000 Euro je Adresspunkt, dem Bundesdurchschnitt, ergäbe das 35 Mio. Euro. Dann teilte das Land am 18. August 2026 mit, es werde 2026 keine Kofinanzierung geben. Übrig bliebe die Bundesförderung von derzeit 50 Prozent. Die Stadt müsste 17,5 Mio. Euro selbst tragen, also 2.500 Euro je Adresspunkt (17,5 Mio. Euro geteilt durch 7.000). Im Haushalt ist dafür nichts eingestellt. Ob die Stadt Anträge stellt, ist offen. Die Ergebnisse der Markterkundung sind außerdem nur ein Jahr verwendbar. Für eine Übergangslösung nennt die Verwaltung 5G-Mobilfunk mit bis zu 500 Mbit/s.
Kritik
Aus einem Angebot mit 100 Prozent Förderung wäre ein Eigenanteil von 17,5 Mio. Euro geworden, und zwar für eine Förderkulisse, die auch Anschlüsse mit 175 Mbit/s einschließt. Mit Geld, das im Haushalt nicht eingeplant ist, sollte die Stadt keine Lücken schließen, die nach ihrer eigenen Einschätzung im Alltag kaum spürbar sind. Sinnvoll wäre es, nur die Adressen anzugehen, an denen die Versorgung nachweislich nicht reicht. Für alle übrigen sollte die Stadt abwarten, was die Anbieter ohnehin auf eigene Kosten ausbauen, und keine Eigenmittel binden.
I0319/26: Ergebnis aus dem Markterkundungsverfahren zur Feststellung der offiziellen Versorgungslage mit NGA-Anschlüssen (NextGenerationAnschlüssen - Glasfaseranschlüsse) im Magdeburger Stadtgebiet, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 29. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.