146.400 Euro für Magdeburgs Märkte
Magdeburg zahlt seiner Marktfirma 146.400 Euro im Jahr, weil sie Verlust machte, doch die Gebühren für die Marktstände blieben gleich niedrig
Was ist passiert?
Seit Anfang 2024 hat Magdeburg eine eigene Marktgesellschaft. Die Magdeburger Märkte GmbH betreibt den Wochenmarkt auf dem Alten Markt sowie die Stadtteilmärkte in Magdeburg-Nord, Reform, Stadtfeld und Cracau und organisiert das Kaiser-Otto-Fest. Die Stadt ist alleinige Gesellschafterin und hat die GmbH bei der Gründung mit 100.000 Euro Stammkapital ausgestattet.
Das Polster ist inzwischen weitgehend aufgebraucht. Schon 2024 schrieb die Gesellschaft 37.485,57 Euro Verlust, 2025 kamen weitere 28.392,48 Euro dazu. Der Bilanzverlust liegt damit bei 68.246,92 Euro, vom Stammkapital sind noch 31.753,08 Euro übrig. Damit ist mehr als die Hälfte verloren, was die Geschäftsführung der Gesellschafterversammlung anzeigen muss. Als Ursache nennt der Abschlussprüfer, dass die Einnahmen aus der Flächenvermietung für die Wochenmärkte nicht ausreichen. Gleichzeitig wurden die Standgelder nicht erhöht, obwohl die GmbH ein neues Abrechnungssystem, ein neues Logo und einen modernisierten Marketingauftritt einführte. Der Personalaufwand lag 2025 bei 107.822,88 Euro für einen Geschäftsführer und zwei Angestellte.
Die Stadt hat darauf mit einer Betrauung reagiert. Seit dem 1. Januar 2026 soll die GmbH nicht gedeckte Aufwendungen aus Märkten und Festen von der Stadt erstattet bekommen. Der Wirtschaftsplan 2026 sieht dafür 146.400 Euro vor und weist trotzdem nur einen Überschuss von 3.700 Euro aus. Ohne die Zahlung stünde also ein Minus von rund 142.700 Euro (3.700 minus 146.400), mehr als das Vierfache des verbliebenen Stammkapitals (142.700 geteilt durch 31.753 ergibt etwa 4,5). Der geplante Ausgleich ist gut fünfmal so hoch wie der gesamte Jahresverlust 2025 (146.400 geteilt durch 28.392 ergibt etwa 5,2). Offiziell dient das der Förderung weicher Standortfaktoren, also des wirtschaftlichen, historischen, kulturellen und touristischen Angebots der Stadt.
Rettend ist das Geld nur halb: Der geplante Überschuss von 3.700 Euro reicht nicht, um das Eigenkapital wieder auf die Hälfte des Stammkapitals zu heben. Der Prüfer warnt, der Fortbestand der Gesellschaft sei bei weiteren Fehlbeträgen gefährdet. Der Stadtrat soll den Abschluss am 3. Dezember 2026 zur Kenntnis nehmen.
Kritik
Eine Gesellschaft, die zwei Jahre in Folge Verluste schreibt und ihre Standgelder dabei unverändert lässt, hat ihr Defizit selbst mit angelegt. Dass nun die Stadt mit 146.400 Euro einspringt, um einen Überschuss von 3.700 Euro zu erzielen, verschiebt den Verlust nur vom Firmenkonto in den städtischen Haushalt. Vor der Gründung hätte die Stadt klären müssen, ob sich der Marktbetrieb mit drei Beschäftigten und den bestehenden Einnahmen überhaupt tragen kann. Nun sollte sie zuerst die Einnahmeseite prüfen, bevor sie den Zuschuss Jahr für Jahr fortschreibt.
DS0476/26: Jahresabschluss 2025 der Magdeburger Märkte GmbH, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 20. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.