115.000 Euro Werbung für Magdeburgs Stadthalle
Magdeburg gab 115.000 Euro für bundesweite Werbung aus, während von 20 wichtigen Tourismusprojekten erst 2 fertig und 11 nicht begonnen sind
Was ist passiert?
Die Landeshauptstadt hat ein neues Tourismuskonzept, das der Stadtrat im Mai 2025 beschloss. Zur Umsetzung gehören Quick-Wins und Schlüsselprojekte, die die städtische Tourismusgesellschaft MMKT nach und nach abarbeiten soll. Darunter fiel auch die Bewerbung der Stadthalle samt Stadthallenareal und Hyparschale.
Dafür beschloss der Stadtrat 115.000 Euro aus dem städtischen Haushalt 2025. Die MMKT setzte daraus eine bundesweite Kampagne um: Plakate, Anzeigen, digitale Werbung, Social Media, Suchmaschinen- und Portalmarketing. Als zentrales Medium dient eine eigene Website für die Stadthalle. Der städtische Bericht vermerkt knapp, die bewilligten Mittel seien „vollumfänglich verausgabt“ worden. Angaben dazu, was die Kampagne bewirkt hat, enthält er nicht.
Einordnen lässt sich die Summe im Vergleich zu anderen Posten desselben Konzepts. Für die Strategie und das Erlebniskonzept für Tagungs- und Veranstaltungsgäste (MICE) wurden 40.000 Euro bewilligt. Die Stadthallenwerbung kostete damit rund das 2,9-Fache (115.000 : 40.000 = 2,875).
Zugleich räumt die Verwaltung selbst ein, dass Mittel fehlen, um alle Maßnahmen umzusetzen. Von 17 Quick-Wins sind erst 6 abgeschlossen, 8 noch nicht begonnen. Von 20 Schlüsselprojekten sind 2 fertig, 11 liegen brach. Nicht begonnen wurden unter anderem das Fördermittelmanagement, das Konzept zur Tourismusfinanzierung und die Personalstellen für die Umsetzung, also die Grundlagen, auf denen der Rest aufbauen soll. Begründet wird das teils mit Abhängigkeiten, teils mit fehlendem Geld und Personal.
Das Geld für eine Kampagne war dagegen da, und zwar komplett.
Kritik
Wer bei knappen Mitteln die Grundlagen seines Tourismuskonzepts liegen lässt, sollte nicht zuerst 115.000 Euro in bundesweite Werbung für ein einzelnes Gebäude stecken. Eine Kampagne in dieser Größe braucht vorab ein überprüfbares Ziel, etwa zusätzliche Buchungen oder eine bessere Auslastung, und sollte in Stufen laufen, deren Wirkung sich messen lässt. Erst Finanzierungskonzept, Fördermittel und Personal zu klären und danach zu werben, wäre die solidere Reihenfolge gewesen. So bleibt eine Ausgabe, die den Haushalt belastet hat, ohne dass erkennbar ist, was sie den Magdeburgern gebracht hat.
I0334/25: Jährliche Berichterstattung zum Tourismuskonzept, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 13. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.