142.000 Euro für Zahlstelle ohne Bargeld
Magdeburg baute am Wertstoffhof Silberbergweg für 141.967 Euro eine Kasse nur für Karten, doch Barzahlung muss rechtlich weiter möglich bleiben
Was ist passiert?
Die Landeshauptstadt Magdeburg betreibt drei Wertstoffhöfe: Silberbergweg, Hängelsberge und Cracauer Anger. Dort geben Bürger Abfälle ab und zahlen die fälligen Gebühren. Der Hof am Silberbergweg gilt als der modernste, und hier sollte erstmals in Sachsen-Anhalt bargeldlos bezahlt werden. Der Städtische Abfallwirtschaftsbetrieb machte das schon beim Tag der offenen Tür am 21. Juni 2025 zum Thema.
Dafür ließ er ein bargeldloses Kassensystem errichten. Es kostete 141.967 Euro. Der Betrieb nennt kürzere Wartezeiten, geringere Verwaltungs- und Personalkosten, mehr Sicherheit an der Kasse und einen Beitrag zur Digitalisierung als Vorteile. Außerdem sei der Bargeldtransport am Silberbergweg unwirtschaftlich: Der Hof nimmt von allen die wenigsten Euro ein, die Abholung durch ein Transportunternehmen ist dort je Euro also am teuersten. Das lässt sich hören. Es bedeutet aber auch, dass die aufwendigste Technik ausgerechnet dort steht, wo am wenigsten Bargeld anfällt.
Dann kam die Rechtsfrage. Nach der Stellungnahme der Verwaltung dürfte ein genereller Ausschluss der Barzahlung ohne Rechtsgrundlage unzulässig sein. Nötig wäre mindestens eine Regelung in der Abfallgebührensatzung. Ob eine Satzung genügt oder ein Landesgesetz gebraucht wird, soll die Kommunalaufsicht klären. Zudem verlangt die Rechtsprechung Ausnahmen für Menschen ohne Girokonto. Bis zur Entscheidung bleibt die Barzahlung auf allen Höfen bestehen. Derzeit laufen deshalb zwei Kassensysteme unabhängig voneinander.
Die Verwaltung hält dennoch am Konzept fest. Die bargeldlose Bezahlung am Silberbergweg sei schon in die geltende Gebührenkalkulation eingeflossen. Bliebe es beim Bargeld, müssten Kassenautomaten umgerüstet und Personal sowie Geldtransport wieder einkalkuliert werden. Das hätte höhere Gebühren zur Folge. Auf den beiden anderen Höfen kann ohnehin schon bar oder kontaktlos, etwa mit EC-Karte, ohne Kassenautomaten bezahlt werden.
Kritik
Fast 142.000 Euro für ein Kassensystem auszugeben, bevor geklärt ist, ob es überhaupt allein genutzt werden darf, ist eine Investition vor dem Fundament. Dass ausgerechnet der Hof mit den geringsten Bareinnahmen die teuerste Lösung bekam, schwächt die Begründung der Wirtschaftlichkeit zusätzlich. Die Rechtsgrundlage hätte vor der Beschaffung stehen müssen, und die schlichte Kartenlösung der beiden anderen Höfe hätte als Maßstab dienen können. Nun laufen zwei Systeme nebeneinander, und die Gebührenzahler tragen das Risiko.
S0017/26: Bezahlmethode „Bargeld“ auf den Wertstoffhöfen der Landeshauptstadt Magdeburg, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 20. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.