Staatsbilanz

Stadt/Magdeburg/Kostensteigerung

326.528 Euro für eine neue Toilette

Magdeburg will im Stadtteil Reform ein öffentliches Klo ersetzen, statt es für 34.500 Euro zu versetzen: Das Paket kostet fast das Zehnfache

Was ist passiert?

Reform ist ein Stadtteil im Süden Magdeburgs. An der Kosmos-Promenade stehen dort eine Bushaltestelle, drei sechseckige Kioske und ein Lagergebäude. Bis 2025 gab es an dieser Stelle auch eine öffentliche Toilette. Als im März 2025 die Bauarbeiten am Albinmüller-Turm begannen, musste sie weichen.

Die Stadt begründet das Aus so: Es handle sich um eine verhältnismäßig große Anlage mit speziellem Dachüberstand, für die sich bei einem Ortstermin kein passender Standort gefunden habe. Andere Plätze hätten neue Leitungen für Strom, Wasser und Abwasser erfordert. Das sei mit den kalkulierten 34.500 Euro nicht zu machen gewesen. Also sollte das alte WC nicht versetzt, sondern durch ein neues ersetzt werden.

Die Kostenschätzung vom Dezember 2025 summiert sich auf 326.527,67 Euro. Allein die Toilette steht darin mit 185.110,45 Euro brutto (155.555 Euro netto), das ist gut das Fünffache der 34.500 Euro, an denen die Versetzung scheiterte. Hinzu kommen 38.932 Euro für den Abbruch der drei Kioske und des Lagergebäudes, 41.650 Euro für einen neuen mobilen Imbisskiosk von 2,5 mal 2,5 Metern und 11.900 Euro für das Umsetzen von Trafos. Das Gesamtpaket kostet damit fast das Zehnfache der ursprünglich kalkulierten Summe (326.528 Euro geteilt durch 34.500 Euro).

Gebaut werden soll frühestens 2030, weil die Pachtverträge der Kioske erst in den kommenden Jahren gekündigt werden können. Danach fallen laufend 29.400 Euro im Jahr an, davon 20.400 Euro für Unterhaltung und Bewirtschaftung und 9.000 Euro Abschreibung. Das sind rund 80 Euro pro Tag (29.400 Euro geteilt durch 365). Fördermittel von 141.400 Euro sind eingeplant, doch ob sie fließen, soll erst noch geprüft werden. Der Stadtrat beschloss das Vorhaben am 27. August 2026 mit 44 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung, ausdrücklich unter Beachtung der angespannten Haushaltslage.

Kritik

Für eine einzelne Toilette sind 185.110 Euro eine Summe, die nur mit sehr guten Gründen zu rechtfertigen wäre, und die Verwaltung liefert keinen. Dass die Anlage zu groß für jeden Standort war, ist ein Planungsproblem der Stadt, das nun der Steuerzahler mit einem fast zehnfach höheren Gesamtbetrag bezahlen soll. Statt eines teuren Sonderbaus hätte ein schlichteres, passendes WC genügt, das auf die vorhandenen Anschlüsse zugeschnitten ist. Wer in angespannter Haushaltslage ein Prestigedesign bestellt und Kioskabriss samt Neugestaltung gleich mitbucht, setzt die falschen Prioritäten.

DS0046/26: Eine öffentliche Toilette für Reform, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 10. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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