Staatsbilanz

Stadt/Magdeburg/Teure Kleinigkeit

378.000 Euro für mehr Wurzelraum

Der Bund zahlt in Magdeburg am Olvenstedter Markt größere Baumscheiben für 25 Bäume, im Schnitt 15.100 Euro je Baum

Was ist passiert?

Der Olvenstedter Markt in Neu Olvenstedt ist ein weitgehend gepflasterter Platz mit Springbrunnen, die Marktbreite eine ebenso versiegelte Fußwegachse hinüber zum Klinikum. Die Stadt klagt über Hitze, kaum Grün und Pflasterschäden: Die Wurzeln der Bäume haben den Belag so beschädigt, dass die Verkehrssicherheit gefährdet sei. Beide Flächen sollen daher entsiegelt, mit Stauden bepflanzt und klimaangepasst umgestaltet werden.

So weit klingt das nachvollziehbar. Auffällig wird es beim Blick in die Kostentabelle. Der Stadtrat soll am 24. September 2026 einen Gesamtumfang von 703.000 Euro beschließen. Allein für die „nachträgliche Standortoptimierung“ von Bestandsbäumen, also größere Baumscheiben, sind am Markt 253.000 Euro für 14 Bäume vorgesehen, an der Marktbreite weitere 125.000 Euro für 11 Bäume. Das sind 378.000 Euro für 25 Bäume, im Schnitt rund 15.100 Euro je Baum (378.000 Euro geteilt durch 25). Am Markt kommen auf jeden Baum sogar gut 18.000 Euro (253.000 Euro geteilt durch 14). Über die Hälfte der gesamten förderfähigen Kosten (378.000 von 703.000 Euro, rund 54 Prozent) fließt damit in dieses eine Postenpaar.

Die Stadt verweist auf das KfW-Programm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“, aus dem der Bund 90 Prozent übernimmt, das sind 632.700 Euro. Die Stadt selbst zahlt 70.300 Euro. Das ist die offizielle Rechnung, nach der das Vorhaben für Magdeburg kaum ins Gewicht fällt. Es bleibt aber Steuergeld, ob es aus dem städtischen oder dem Bundeshaushalt stammt.

Die Gesamtkosten sind zudem unsicher: Die Verwaltung schätzt sie samt bereits bewilligter 360.000 Euro für Umpflasterung auf 1.063.000 Euro und räumt ein, dass belastbare Zahlen erst nach der Vorplanung vorliegen. Hinzu kommen Folgekosten von 16.500 Euro im Jahr, über 30 Jahre also 495.000 Euro, die die Stadt tragen muss.

Kritik

Rund 18.000 Euro für die Vergrößerung einer einzelnen Baumscheibe stehen in keinem nachvollziehbaren Verhältnis zum Nutzen. Dass der Bund den Großteil zahlt, macht die Ausgabe nicht sparsamer, es nimmt nur den Druck, genau hinzuschauen. Die Stadt hätte die Eingriffe an den Bäumen auf das für die Verkehrssicherheit nötige Maß begrenzen und die Preise je Baum offenlegen müssen. Wer Förderquoten als Freibrief versteht, plant am Ende teurer, als es nötig wäre.

DS0133/26: Entsiegelung Olvenstedter Markt und Marktbreite in Neu Olvenstedt, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 23. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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