5 Millionen Euro für marode Schwimmhallendecke
In Magdeburgs Elbeschwimmhalle sind 8 von 12 Deckenträgern zu schwach, obwohl der Mangel seit Jahrzehnten bekannt war; die Halle bleibt ein Jahr zu
Was ist passiert?
Magdeburg (ST). Die Elbeschwimmhalle ist Heimat eines Bundesstützpunkts Schwimmen und zugleich Ort für Schulsport, Vereine und den öffentlichen Badebetrieb der Landeshauptstadt. Seit Ende Dezember 2025 ist ihre große Halle gesperrt, weil die Standsicherheit der Dachbinder „erheblich beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben“ ist.
Die Untersuchungen seit Mai 2025 zeichnen ein deutliches Bild: 8 von 12 Spannbetonbindern erreichen die Betondruckfestigkeit nicht, die in der Sanierungsstatik vorgesehen war. An den Spannstählen fehlen stellenweise bis zu 50 Prozent des Querschnitts. Geprüft wurden allerdings nur 5 von 2.520 Spanndrähten, also rund 0,2 Prozent (5 geteilt durch 2.520). Schon in dieser kleinen Stichprobe fanden sich Anrisse. Das Fazit der Gutachter lautet: „statischer Totalschaden“.
Überraschend kam das nicht. Fünf frühere Gutachten dokumentieren Korrosion an den Hüllrohren (1968) und im Inneren der Spannglieder (1997). Die Sanierungsstatik von 2000 hielt fest, dass die Tragfähigkeit schon damals nicht mehr ausreichte. Man verstärkte mit Carbonlamellen, und genau dieses System weist heute erhebliche Mängel auf. Die Betongüte, auf der die Rechnung beruhte, war 1998 an nur einem Binder über zwei Bohrkerne belegt worden.
Am 3. Juli 2026 beschloss der Stadtrat mit 37 Ja-Stimmen bei 5 Enthaltungen, die Binder dauerhaft mit einem Traggerüst über dem Becken abzufangen. Die Kosten werden auf ca. 5 Mio. Euro geschätzt, die Halle soll ca. ein Jahr geschlossen bleiben. Für die Planung sind 300.000 Euro vorgesehen, also 6 Prozent der Bausumme (300.000 geteilt durch 5 Mio.). Sie stammen aus einer Rückstellung, die schlicht „Unterlassene Instandhaltung Elbeschwimmhalle“ heißt.
Die bereits beteiligten Tragwerksplaner sollen sofort beauftragt werden, die übrigen Fachplanungen soll die Firma Bauconzept übernehmen, ohne vorherige Ausschreibung. Sie habe ihre Expertise gerade erst im Verfahren zum Nationalen Schwimmzentrum nachgewiesen, so die Verwaltung. Im besten Fall soll von April bis August 2027 gebaut werden. Die Verwaltung nennt den Zeitplan selbst „sehr ambitioniert“.
Kritik
Über Jahrzehnte waren Korrosion und Tragfähigkeitsprobleme der Binder bekannt, doch nach der Verstärkung im Jahr 2000 wurde das Bauwerk offenbar nie so überwacht, dass ein Totalschaden früh sichtbar geworden wäre. Dass die Stadt für die Planung eine Rückstellung mit dem Namen „Unterlassene Instandhaltung“ nutzt, zeigt, wie lange die Rechnung schon offen war. Ein Planungsauftrag über geschätzte 300.000 Euro sollte im Wettbewerb vergeben werden, auch bei Zeitdruck, denn die Halle bleibt ohnehin mindestens ein Jahr zu. Zudem sollte die Stadt prüfen, ob die mangelhafte Verstärkung von 2000 Ansprüche gegen Dritte begründet, bevor erneut Millionen fließen.
DS0249/26: Sanierung Dach Elbeschwimmhalle, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 23. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.