Staatsbilanz

Stadt/Magdeburg/Folgekosten

660.000 Euro für den Weihnachtsmarkt

Magdeburg zahlt drei Jahre je 220.000 Euro Verlustausgleich, die Vereine als Mitbesitzer der Marktfirma zahlen ihren Anteil von 79.200 Euro nicht

Was ist passiert?

Die Landeshauptstadt lässt ihren traditionellen Weihnachtsmarkt von einer eigenen GmbH ausrichten, die 2003 gegründet wurde und auch die Lichterwelt betreibt. Das Stammkapital beträgt 25.000 Euro. Die Stadt hält 64 Prozent, drei Vereine (Schaustellerverein, IG Innenstadt, Pro Magdeburg) halten je 12 Prozent.

Bis zum Jahresabschluss 2024 schrieb die Gesellschaft, von der Coronazeit abgesehen, leichte Gewinne. Dann kamen der Anschlag vom 20. Dezember 2024 und deutlich höhere Sicherheitsauflagen. Im Geschäftsjahr bis März 2025 stand ein Minus von 43.700 Euro in den Büchern. Ende 2025 schoss die Stadt einmalig 150.000 Euro zu, damit die GmbH trotz eines Gewinnvortrags von 201.400 Euro nicht überschuldet oder zahlungsunfähig wird.

Aus dem Einzelfall soll nun eine Dauerlösung werden. Die Gesellschaft rechnet nach eigenen Einsparungen mit mindestens 220.000 Euro Ausgleichsbedarf in jedem der Jahre 2026 bis 2028, zusammen 660.000 Euro (3 x 220.000). Der Stadtrat soll die GmbH dafür zum 1. April 2026 betrauen, was solche Zuschüsse beihilferechtlich möglich macht. Gedeckt wird der Betrag für 2026 aus einer Steuerrückzahlung nach einer Betriebsprüfung. Im Haushalt veranschlagt ist nur dieses eine Jahr. Die Betrauung ist auf ein Jahr angelegt, verlängert sich aber automatisch, solange sich die Lage nicht deutlich bessert, längstens bis März 2036. Kündigen kann die Stadt frühestens zum 31. März 2028.

Die Vereine sehen sich außerstande, anteilig zu zahlen. Bei 36 Prozent wären es rechnerisch 79.200 Euro im Jahr (0,36 x 220.000). Die Verwaltung will lediglich einen kleineren Beitrag einfordern. Zusammen haben die Vereine Anteile von 9.000 Euro übernommen, die 2034 ohnehin an die Stadt zurückfallen. Der jährliche Zuschuss entspricht dem 8,8-Fachen des gesamten Stammkapitals (220.000 : 25.000).

Die Verwaltung hält die Betrauung für die einfachste Lösung. Eine Durchführung durch die Stadt würde mindestens zwei neue Stellen erfordern, eine Verschmelzung mit der Märkte GmbH wäre zu konfliktträchtig. Zudem soll die Oberbürgermeisterin mit dem Land über die Sicherheitsanforderungen verhandeln.

Kritik

Wer 36 Prozent der Anteile hält und bei der Ausrichtung des Marktes mitredet, muss auch für die Verluste mit einstehen. Dass die Stadt den Ausgleich praktisch allein trägt und von den Vereinen nur einen unbestimmten kleineren Beitrag erhofft, ist ein Zuschuss ohne Gegenleistung. Vor der Betrauung hätte der Beitrag der Partner verbindlich festgelegt oder die Beteiligung neu geordnet werden müssen. Und wenn das Land die Auflagen macht, die die Kosten treiben, sollte es sie auch mitfinanzieren, statt dass die Stadt über Jahre jeweils neu aus Einmalquellen zuschießt.

DS0066/26: Betrauung der Gesellschaft zur Durchführung der Magdeburger Weihnachtsmärkte mbH, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 24. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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