740.525 Euro für Halle am falschen Ort
Magdeburg plante in Diesdorf eine Sporthalle für 740.525 Euro, die EU zahlt nur 150.000 Euro, und erst danach fiel auf: Der Platz ist zu klein
Was ist passiert?
Diesdorf ist ein Stadtteil im Westen der Landeshauptstadt. An der Straße „Am Neuber“ gibt es dort ein Volleyballfeld und dahinter einen Spielplatz. Hier sollte nach den Plänen der Stadt eine Kaltlufthalle entstehen, gefördert aus dem EU-Programm LEADER.
Im Mai 2025 reichte die Stadt dafür eine Projektskizze ein. Im Juli kam die gute Nachricht: Die Jury wählte das Vorhaben aus, ordnete es dem Förderfonds ELER zu und stellte höchstens 150.000 Euro in Aussicht. Erst danach beauftragte die Verwaltung die weiteren Planungen, darunter die Standortprüfung und die Kostenermittlung. Bis Ende April 2026 hätte ein prüffähiger Antrag vorliegen müssen.
Die Prüfung fiel vernichtend aus. Die Halle mit 18 mal 29,50 Metern, also rund 530 Quadratmetern, hätte fast die gesamte straßenseitige Breite des Grundstücks eingenommen, samt Volleyballfeld. Der Wirtschafts- und Rettungsweg zum Spielplatz wäre weggefallen. Das Gelände fällt um etwa 1,80 Meter ab und hätte aufwendig gesichert werden müssen, damit der Hallenboden eben wird. Gegenüber entsteht zudem ein neues Wohngebiet, für das Lärm und Licht zum Problem geworden wären.
Die Stadt schätzte die Kosten am Standort „Am Neuber“ auf 740.525,70 Euro brutto. Ein neutraler Standort ohne Geländeanpassung und Schallschutz hätte 640.707,90 Euro gekostet, also knapp 100.000 Euro weniger (740.525,70 minus 640.707,90 gleich 99.817,80). Einen solchen Standort fand die Verwaltung im Stadtteil allerdings nicht. Mit 150.000 Euro Zuschuss läge die Förderquote bei rund 20 Prozent, die Stadt müsste mindestens 590.000 Euro selbst tragen. Ein Versuch, das Projekt nachträglich in ein anderes Förderprogramm (EFRE) zu bringen, wurde im Dezember 2025 abgelehnt.
Die Verwaltung stellte die Planung daraufhin ein. Den Haushaltsansatz von 110.000 Euro für 2026 kürzte das Landesverwaltungsamt bei der Genehmigung der Haushaltssatzung auf null Euro.
Kritik
Eine Halle von rund 530 Quadratmetern lässt sich nicht erst nach der Förderzusage auf ihre Tauglichkeit prüfen. Dass Gelände, Rettungsweg und Nachbarschaft nicht passen, hätte vor der Projektskizze auffallen müssen. Wer ein Projekt mit 20 Prozent Förderquote anstößt, muss vorher wissen, ob er mehr als eine halbe Million Euro Eigenmittel aufbringen will und ob es überhaupt einen geeigneten Platz gibt. So bleibt eine Förderzusage, die niemand abrufen kann, und Planungsaufwand ohne Ergebnis.
S0147/26: Bau der Kaltlufthalle in Diesdorf, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 14. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.