Gerüst an Stadthalle kostet 2 Millionen extra
Beim Umbau der Magdeburger Stadthalle zahlt die Stadt 2 Millionen Euro mehr, weil das Gerüst wegen Bauverzug länger stehen bleibt
Was ist passiert?
Die Stadthalle am Heinrich-Heine-Platz wird modernisiert, als Maßnahmebeginn nennen die Unterlagen das Jahr 2016. Insgesamt sind 103,7 Mio. Euro an Auszahlungen vorgesehen: 78,7 Mio. Euro bis 2025, 20 Mio. Euro für 2026 und 5 Mio. Euro für 2027. Die Wiedereröffnung soll zum 1. Juni 2027 erfolgen.
Im Juni 2026 musste der Stadtrat dann noch einmal nachlegen. Für 2026 war eine Verpflichtungsermächtigung von 3 Mio. Euro beschlossen worden, um in diesem Jahr noch Aufträge für das Jahr 2027 erteilen zu können. Sie reicht nicht mehr aus. Die Stadt führt das auf den „enormen Bauverzug“ zurück, den sie selbst mit Planungsmängeln und Kapazitätsproblemen der ausführenden Firmen erklärt. Schon die für 2025 zusätzlich bereitgestellten 9 Mio. Euro Verpflichtungsermächtigung konnten nicht ausgeschöpft werden, weil sich Vergaben ins Jahr 2026 verschoben.
Nun sollen im Gewerk Gerüstbau zusätzliche Leistungen beauftragt werden: verlängerte Vorhaltung sowie Mehraufwand für Auf- und Rückbau. Das Nachtragsangebot liegt in Höhe von 2 Mio. Euro bereits vor. Das entspricht zwei Dritteln der ursprünglich eingeplanten 3 Mio. Euro und 40 Prozent der gesamten für 2027 vorgesehenen 5 Mio. Euro.
Das Geld kommt aus dem Ausbau des Radwegs am Großen Wiesengraben. Dieses Projekt verzögert sich wegen geänderter Förderbedingungen, die vorgesehene Verpflichtungsermächtigung wird dort 2026 voraussichtlich nicht voll gebraucht. Der Stadtrat stimmte am 18. Juni 2026 mit 42 Ja-Stimmen, ohne Gegenstimme und bei 3 Enthaltungen zu.
Die Förderung beträgt 59,8 Mio. Euro, rund 58 Prozent der Gesamtsumme (59,8 : 103,7). Sie ist gedeckelt, der Zuwendungsgeber hat mitgeteilt, dass „definitiv keine weiteren Fördermittel“ bewilligt werden. Der Eigenanteil der Stadt liegt bei 43,9 Mio. Euro. Für das Gerüst, das länger stehen bleibt als geplant, gibt es also keinen zusätzlichen Zuschuss.
Kritik
Ein Gerüst, das monatelang länger steht als geplant, bringt keinen Baufortschritt, sondern bezahlt nur den Stillstand. Zwei Millionen Euro dafür sind das Ergebnis von Planungsmängeln, die vor Baubeginn hätten auffallen müssen. Die Stadt sollte prüfen, ob die Verursacher dafür einstehen müssen, und bei künftigen Vorhaben Planung und Terminketten vor der Vergabe belastbar absichern. Mittel aus einem anderen verzögerten Projekt zu verschieben, behebt den Fehler nicht, sondern verschiebt ihn nur.
DS0215/26: Modernisierung der Stadthalle, Heinrich-Heine-Platz 1 in 39114 Magdeburg, Bestätigung der üpl-Verpflichtungsermächtigung, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 26. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.