Magdeburg: Archiv-Umzug kostet 3,28 Mio. Euro
Magdeburg mietet für das Stadtarchiv vier Jahre ein Ersatzgebäude für 3,28 Millionen Euro, geplant waren nur 1,35 Millionen Euro
Was ist passiert?
Das Stadtarchiv in der Magdeburger Mittagstraße 16 verwahrt das schriftliche Gedächtnis der Landeshauptstadt. Das Gebäude soll im zweiten Bauabschnitt erweitert und technisch erneuert werden, dafür hat der Stadtrat 14.749.000 Euro freigegeben. Für die Bauzeit braucht das Archiv ein Ausweichquartier. Der Stadtrat hatte dafür 1.350.000 Euro Miete für vier Jahre vorgesehen.
Diese Summe war allerdings eine Schätzung. Ein konkretes Objekt gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht. Die Vorplanung war sogar davon ausgegangen, dass das Archiv während der Bauarbeiten im Haus bleiben kann. Später stellte sich heraus, dass das nicht geht: Das Archivgut in den Magazinen wäre beim Fenstertausch und den Arbeiten an der Klimatechnik durch Schmutz, Diebstahl und Elektrobrand gefährdet gewesen. Ein ausreichendes Schutzkonzept war nach Darstellung der Verwaltung weder umsetzbar noch bezahlbar.
Gefunden wurde ein Objekt in der Sudenburger Wuhne 47. Der Vermieter soll dort unter anderem eine spezielle Brandwarnanlage, eine Zutrittskontrolle und eine Klimaanlage einbauen, die rund um die Uhr 18 bis 25 Grad hält. Das Geld holt er sich über einen Investitionskostenzuschlag auf die Miete zurück. Darin steckt auch der Steueranteil auf seine Bauleistungen. Der Vermieter wollte zur Umsatzsteuer optieren, um Vorsteuer abzuziehen. Weil die Tätigkeit des Stadtarchivs ab dem 1. Januar 2027 als nichtunternehmerisch gilt, ist das nicht möglich. Die Verwaltung betont, harte Verhandlungen hätten die ersten Gebote gedrückt.
Am Ende stehen 3.279.450 Euro für vier Jahre, also 1.929.450 Euro mehr als eingeplant. Das sind rund 820.000 Euro pro Jahr (3.279.450 : 4) statt der erwarteten 337.500 Euro (1.350.000 : 4). Die Miete soll voraussichtlich am 1. November 2026 beginnen. Für die ersten zwei Monate sind 136.350 Euro eingeplant, rund 68.000 Euro im Monat. Der Stadtrat sollte am 26. März 2026 entscheiden. Reserveflächen dürfen an andere Archivträger untervermietet werden. Was das einbringen könnte, steht nicht in der Vorlage.
Kritik
Einen Betrag in einen Beschluss zu schreiben, bevor Objekt und Bedarf feststehen, ist keine Planung, sondern Hoffnung. Dass ein Archiv mit empfindlichem Kulturgut nicht im Haus bleiben kann, hätte vor der Vorplanung geprüft werden müssen, nicht erst danach. Auch die Umsatzsteuerfrage war absehbar und hätte vor den Verhandlungen geklärt werden müssen. So zahlt die Stadt am Ende mehr als das Doppelte, weil die Kosten falsch eingeschätzt wurden.
DS0022/26: Erweiterung Stadtarchiv 2. BA, Mittagstraße 16 in 39124 Magdeburg - Erhöhung der Kosten für ein Interims-Mietobjekt, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 3. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.