Magdeburger Mauer kostet 2,43 Millionen
Die Sanierung zweier alter Mauern an der Gustav-Adolf-Straße in Magdeburg kostet jetzt 2,43 Millionen Euro statt der beschlossenen 510.000 Euro
Was ist passiert?
An der Gustav-Adolf-Straße, einer viel befahrenen Innenstadtachse mit Straßenbahn, stützen zwei Natursteinwände aus dem Jahr 1905 den Höhenunterschied zum Hohepfortewallpark mit der Festung Mark. Die Wände stehen unter Denkmalschutz, hinter ihnen verlaufen dicht gepackt Leitungen. Sie sind zusammen rund 138 Meter lang.
Im Jahr 2016 beschloss der Stadtrat, sie für 510.000 Euro instand zu setzen. Dann kamen Gutachten, Variantenstudien und ein Entwurf, zusammen 135.400 Euro. Fördermittel gab es nicht, und ab 2021 ruhte das Vorhaben. Nun liegt es dem Stadtrat erneut vor, und die Rechnung lautet auf 2.430.400 Euro. Das ist das 4,8-Fache (2.430.400 : 510.000). Je Meter Wand sind das rund 17.600 Euro (2.430.400 : 137,86 m).
Die Verwaltung führt die Mehrkosten auf gestiegene Baupreise und neue Forderungen von Stadtplanung, Naturschutz und Denkmalschutz zurück, darunter Treppen, Rondell, Ausgleichsmaßnahmen und eine Natursteinverblendung. Das klingt plausibel. Bemerkenswert ist aber die Kostenschätzung: Allein die Preissteigerung für 2022 bis 2028 ist mit 750.000 Euro angesetzt. Das ist mehr als die gesamte ursprüngliche Summe von 510.000 Euro. Die Bauleistungen von 2021 liegen mit 790.000 Euro schon ohne Aufschlag darüber.
Dabei war der Handlungsbedarf lange bekannt. Untersuchungen 2018 und 2019 zeigten teils schwere innere Schäden, schon 1973 gab es Einsturzbereiche. Die Prüfung 2025 ergab die Zustandsnoten 2,6 und 3,4. Die Denkmalpflegerische Zielplanung, von der die weitere Planung abhängt, war für 2022 vorgesehen und lag erst im Oktober 2025 als Entwurf vor. Gebaut werden soll nun 2028 und 2029, notfalls auch ohne Förderzusage. Die 135.400 Euro für die frühere Planung gelten laut Vorlage voraussichtlich als nicht mehr aktivierbar.
Kritik
Die Stadt kannte die Schäden seit 2018 und 2019 und ließ das Vorhaben trotzdem jahrelang liegen, obwohl sie es am Ende ohnehin bauen muss. Wer auf Fördermittel wartet, die in den Jahren seit 2017 nie kamen, zahlt am Ende die Preissteigerung allein. Die Zielplanung, die über Ausgleichsflächen und Wiederherstellung entscheidet, hätte zum geplanten Zeitpunkt 2022 vorliegen müssen. Bei einer Pflichtaufgabe mit drohender Havarie gehört das Geld früh in den Haushalt und nicht erst nach dem Scheitern der Förderanträge.
DS0332/26: Fortschreibung zum Grundsatzbeschluss DS0206/16 - Grundhafte Instandsetzung Stützwände Gustav-Adolf-Straße, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 22. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.