Staatsbilanz

Stadt/Magdeburg/Folgekosten

Magdeburgs Bus und Bahn: 92 Millionen Zuschuss

Magdeburg soll den Verkehrsbetrieben für Busse und Straßenbahnen 2029 jährlich 92,2 statt 46,9 Millionen Euro zuschießen, bei nur 16 km/h Fahrtempo

Was ist passiert?

Straßenbahnen und Busse fahren in der Landeshauptstadt im Auftrag der Stadt, und zwar durch die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB). Was die Fahrgäste nicht bezahlen, gleicht die Stadt aus. Dass dieser Betrag mit den Jahren wächst, überrascht niemanden. Doch die Kurve, die ein Gutachten der Beratungsfirmen EY und Ramboll nun zeichnet, ist ungewöhnlich steil.

Der Ausgleich der Stadt lag 2024 bei 46,9 Millionen Euro. Für 2029 sind 92,2 Millionen Euro eingeplant. Das sind 45,3 Millionen Euro mehr im Jahr, umgerechnet etwa 124.000 Euro zusätzlich an jedem einzelnen Tag (45,3 Mio. € geteilt durch 365). Als Treiber nennt das Gutachten vor allem die Personalkosten, die von 47,5 auf 79,7 Millionen Euro klettern sollen, sowie Zinsen und Abschreibungen, die von 8,6 auf 23,3 Millionen Euro wachsen. Die Fahrkarteneinnahmen legen dagegen nur von 33,1 auf 39,2 Millionen Euro zu. Ein Teil des Personalaufbaus geht auf die politisch gewollte Rückholung von Busfahrern aus einer MVB-Tochter zurück, mit 114 zusätzlichen Stellen.

Zu den Investitionen gehören zwei Großprojekte. Die zweite Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn mit 13,5 Kilometern Strecke und 37 Haltestellen wurde 1999 beschlossen, der Bau begann im Jahr 2000. Geplant waren 190 Millionen Euro, inzwischen werden 300 Millionen Euro erwartet, ein Plus von 58 Prozent. Beim neuen Betriebshof Nord stiegen die erwarteten Kosten von 110 auf rund 145 Millionen Euro, bei unveränderter Förderung von 50 Millionen Euro. Der Anteil, der nicht gefördert wird, wächst damit von 60 auf 95 Millionen Euro.

Dabei kommen die Bahnen langsam voran: Mit 16,1 Kilometern pro Stunde ist der Magdeburger Nahverkehr im Städtevergleich des Gutachtens der langsamste.

Der Stadtrat nahm das Gutachten im April 2026 mit 31 zu 16 Stimmen zur Kenntnis. Er wies die Vertreter der Stadt bei den MVB an, den Anstieg von Personal- und Baukosten „auf das zwingend Notwendige“ zu begrenzen. Über die Ergebnisse sollte die Oberbürgermeisterin bis Ende des ersten Quartals 2026 informiert werden. Wie das ausging, ist aus den Unterlagen nicht ersichtlich.

Kritik

Wenn der städtische Zuschuss innerhalb von fünf Jahren auf das Doppelte steigt, hilft ein Appell, Kosten „abzubremsen“, wenig. Bei Projekten, deren Preis um mehr als die Hälfte wächst, hätte die Stadt neu rechnen müssen, ob sich der Weiterbau lohnt und was er künftig im Betrieb kostet. Auch die Rückholung der Busfahrer in die MVB hätte vorab auf ihre Folgekosten geprüft werden sollen. Eine Stadt, die für jeden Mehrbetrag der Verkehrsbetriebe geradesteht, muss Zuschussgrenzen setzen, bevor die Bagger rollen, nicht erst danach.

DS0407/25: Optimierung des ÖPNV in der Landeshauptstadt Magdeburg, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 14. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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