1,2 Millionen Verlust für leere Festsäle
Die Stadt Mainz gleicht jedes Jahr 1,2 Millionen Euro Verlust ihrer Bürgerhäuser aus, obwohl die Säle zu drei Vierteln leer stehen
Was ist passiert?
Die Mainzer Bürgerhäuser sind Versammlungsorte in den Stadtteilen, in denen Vereine feiern, Firmen tagen und Bürger Familienfeste ausrichten. Betrieben werden sie von der Mainzer Bürgerhäuser GmbH & Co. KG (MBH), die der Stadt gehört. Zuletzt wurde das Bürgerhaus auf dem Lerchenberg saniert, es eröffnete im September 2025. Mit den Sanierungen sollten die Häuser attraktiver werden, damit sie sich perspektivisch selbst tragen. Die FDP-Fraktion nennt das Ziel eine „schwarze Null“.
Daraus ist bisher nichts geworden. In den Jahren 2023 und 2024 fuhr die MBH nach den Angaben der Anfrage jeweils einen Fehlbetrag von rund 1,2 Mio. Euro ein, den die Stadt ausglich. Das sind knapp 3.300 Euro pro Tag (1,2 Mio. Euro geteilt durch 365). Dazu kamen Investitionszuschüsse der Stadt.
Auch die Auslastung hilft nicht weiter. Als Vollbelegung gelten vier ganztägige Veranstaltungen je Raum und Woche. 2025 lag die Auslastung im Schnitt bei rund 26 Prozent, also bei etwa einer Veranstaltung je Raum und Woche (26 Prozent von vier). In Hechtsheim waren es 18 Prozent, im neuen Lerchenberger Haus 23 Prozent. Die großen Säle kamen auf 54,5 Prozent, die kleineren Räume nur auf 19,2 Prozent.
Ab welcher Auslastung die Häuser schwarze Zahlen schreiben, kann die Verwaltung nicht sagen. Das Ergebnis hänge von Veranstaltungsart, Zusatzleistungen und Kundschaft ab. Die Rabatte für Vereine seien gewollt. Ohne sie würde sich das Ergebnis rechnerisch um rund 50 Prozent verbessern, bei einem Verlust von 1,2 Mio. Euro wären das etwa 0,6 Mio. Euro. Preise könne die Stadt nicht selbst festlegen, weil die MBH eine GmbH sei. Das müsse die Politik beraten. Die Räume seien im Vergleich ohnehin günstig. So lautet die Sicht des Rathauses.
Kritik
Wer Millionen in die Sanierung von Veranstaltungshäusern steckt und sie dann zu rund drei Vierteln leer stehen lässt, muss sagen können, wann sich das rechnet. Eine Zielmarke für die Auslastung oder den Zuschussbedarf fehlt jedoch, und die Stadt verweist auf die Rechtsform ihrer eigenen Gesellschaft. Besonders die kleinen Räume mit gut 19 Prozent Auslastung gehören auf den Prüfstand. Wenn Vereinsrabatte politisch gewollt sind, sollten sie offen im städtischen Haushalt stehen, statt als Dauerverlust der MBH zu laufen.
0483/2026: Positive Prognose für Mainzer Bürgerhäuser (MBH) (FDP), Ratsinformationssystem der Stadt Mainz, 25. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.