110.000 Euro für Möbel im Container
Die Stühle und Tische der Volkshochschule Mainz stehen seit vier Jahren statt einem Jahr in Containern, ein Ende ist nicht in Sicht
Was ist passiert?
Die Volkshochschule Mainz sitzt in einem denkmalgeschützten Gebäude am Karmeliterplatz. Die Gebäudewirtschaft Mainz (GWM) bekam im April 2021 den Planungsauftrag für die Sanierung. Damit die Handwerker freie Bahn haben, wurde ein Großteil der Tische, Stühle und sonstigen Einrichtung ausgelagert und in Containern untergebracht.
Das war für ein überschaubares Intermezzo gedacht: Der Ursprungsauftrag für die Lagerung umfasste zunächst ein Jahr. Eingelagert wurde im August 2022. Auf eine Anfrage der Grünen im Stadtrat antwortete die Verwaltung im September 2026, die Möbel stünden immer noch im Container. Wie lange noch, ließ sich nicht sagen. Der Brandschutzputz muss instandgesetzt werden, daher könne man „z. Zt. kein genaueres Zeitraum“ nennen, so sinngemäß die Auskunft der Verwaltung.
Bis dahin sind rund 110.000 Euro angefallen. Von August 2022 bis September 2026 sind das gut 49 Monate, rechnerisch also etwa 2.200 Euro im Monat (110.000 Euro geteilt durch 49). Aus dem einen geplanten Jahr sind inzwischen rund vier geworden. Zu den laufenden Monatskosten wollte sich die Verwaltung nicht äußern, solange das Ende der Sanierung nicht feststeht.
Die Grünen fürchteten, dass Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen und Kondenswasser dem Mobiliar über die Jahre schwer zugesetzt haben. Die GWM gab Entwarnung, aber aus zweiter Hand: Sie kenne keine Schäden, die ordnungsgemäße Lagerung liege in der Verantwortung der beauftragten Firma, und die habe Anfang September auf Nachfrage bestätigt, dass alles in Ordnung sei. Gegen Schäden ist die Firma bis 158.000 Euro versichert. Allein die Lagerkosten haben damit schon rund 70 Prozent dieser Summe erreicht (110.000 geteilt durch 158.000).
Kritik
Ein Jahr Lagerung wurde um das Vierfache überschritten, und die Rechnung läuft ohne absehbares Ende weiter. Möbel nach Jahren im Container mit rund 2.200 Euro im Monat zu verwalten, ist kaum sparsam, wenn die Sanierung nicht vorankommt. Die Auslagerung hätte an den tatsächlichen Baufortschritt gekoppelt werden müssen, statt auf ein Jahr zu setzen, das sich nicht halten ließ. Und wer so lange einlagert, sollte den Zustand selbst prüfen, statt sich auf die Bestätigung der Lagerfirma zu verlassen.
1312/2026: Kosten, Zustand und bilanzieller Status des eingelagerten Inventars der Volkshochschule Mainz (DIE GRÜNEN), Ratsinformationssystem der Stadt Mainz, 9. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.