Sportplatz-Solardach ohne Stromanschluss
Mainz zahlte 104.408 Euro für ein Tribünendach mit Solarmodulen in Mombach, das keinen Strom liefert; der Anschluss würde 82.000 Euro kosten
Was ist passiert?
Auf der städtischen Bezirkssportanlage in Mainz-Mombach spielt der TSV Schott Mainz. Als der Verein in die Regionalliga Südwest aufstieg, verlangte der Spielbetrieb eine überdachte Tribüne mit mindestens 100 Sitzplätzen. Die Stadt entschied sich dafür, das Dach gleich aus Photovoltaikmodulen zu bauen. Die Module bilden also die Dacheindeckung selbst. Der Verein übernahm als Bauherr das Projektmanagement, bezahlt hat die Stadt. Fördermittel gab es keine.
Die Lösung kostete 104.408 Euro. Allein für die Montage setzte man 215 Arbeitsstunden zu je 60 Euro netto an, das sind 12.900 Euro netto. Gegenüber einem herkömmlichen Dach seien es nur rund 5.000 Euro Mehrkosten gewesen, so die Verwaltung. Strom liefert das Dach bis heute nicht, denn es ist nicht ans Netz angeschlossen.
Der Grund: Den Strom sollte ein Multifunktionsgebäude auf der Anlage abnehmen. Das Gebäude gibt es nicht. Wegen des Abstiegs des Vereins in die Oberliga, der angespannten Haushaltslage und anderer Prioritäten wurde es zurückgestellt, und mit ihm der Anschluss der Anlage. Eine davon unabhängige Einspeiselösung war nie Teil der Planung. Bei der Vorstellung der Tribüne im März 2025 war die Anlage nach Auskunft der Stadt noch nicht angeschlossen, und eine vertiefte Prüfung von Alternativen hatte nicht stattgefunden.
Nach Angaben der ÖDP-Fraktion, die im Stadtrat nachfragte, würde der Netzanschluss rund 82.000 Euro kosten und jährlich bis zu 5.000 Euro einbringen. Das ergäbe eine Amortisation von gut 16 Jahren (82.000 geteilt durch 5.000 sind 16,4). Die Stadt hält diese Rechnung für überschlägig und unvollständig. Der Anschluss wäre damit gut 16-mal so teuer wie die gesamten Mehrkosten des Solardachs.
Alternativen würden derzeit samt Wirtschaftlichkeit geprüft, teilte die Stadt Anfang September 2026 mit. Einen Termin für eine Entscheidung nannte sie nicht. Künftig wolle man Anschluss, Nutzung und Wirtschaftlichkeit früher zusammen betrachten.
Kritik
Ein Kraftwerk ohne Abnehmer ist kein Referenzprojekt, sondern ein teures Dach mit Zusatzkosten. Die Stadt hat die Stromerzeugung an ein Gebäude gekoppelt, das noch nicht beschlossen, geschweige denn gebaut war, und keine eigenständige Einspeisung vorgesehen. Wer eine Solaranlage plant, muss den Anschluss von Anfang an so absichern, dass er auch ohne Folgeprojekt funktioniert. Jetzt steht der Stadt die Wahl zwischen einem 82.000 Euro teuren Anschluss und einer dauerhaft ungenutzten Anlage bevor.
1389/2026: Solaranlage auf dem Tribünendach des TSV Schott Mainz (ÖDP), Ratsinformationssystem der Stadt Mainz, 9. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.