16 Millionen Euro für Mainzer Stadtmarketing
Mainz gleicht der Werbegesellschaft mainzplus von 2026 bis 2030 Verluste von 16,2 Millionen Euro aus, jährlich über 3 Millionen ohne Abbau
Was ist passiert?
Die Stadt Mainz bündelt ihre Beteiligungen in der Zentralen Beteiligungsgesellschaft (ZBM). Die Holding hat fünf Beschäftigte, ihre Geschäftsführung arbeitet unentgeltlich. Ihr Geld stammt vor allem aus Dividenden der Stadtwerke und der Wohnbau, die 2026 zusammen rund 9,2 Mio. Euro bringen sollen. Davon bekommen die Töchter ihre Verluste ausgeglichen.
Zu diesen Töchtern gehört die Citymarketing-Gesellschaft mainzplus. Für 2026 sind dort rund 3,37 Mio. Euro Verlustausgleich vorgesehen. Das sind etwa 53 Prozent der 6,378 Mio. Euro, die die ZBM für alle fünf verlustbringenden Töchter zahlen will (3.370 geteilt durch 6.378). Umgerechnet fließen damit rund 9.200 Euro pro Tag nur in diese eine Gesellschaft (3,37 Mio. Euro geteilt durch 365 Tage). Zum Vergleich: Die Mainzer Alten- und Wohnheime kommen auf 573.000 Euro, mainzplus braucht also fast sechsmal so viel.
Eine Anschubfinanzierung ist das nicht. Für 2025 wird mit 3,42 Mio. Euro gerechnet, für 2027 bis 2030 mit jeweils rund 3,2 Mio. Euro. Zusammen ergibt das für 2026 bis 2030 rund 16,2 Mio. Euro (3.370 + 3.200 + 3.199 + 3.197 + 3.193 Tausend Euro). Ein erkennbarer Abbau des Zuschusses ist nicht vorgesehen.
Der Stadtrat sollte am 25. März 2026 entscheiden. Er stimmt aber nur dem Wirtschaftsplan der ZBM insgesamt zu, einen eigenen Beschluss über mainzplus gibt es nicht. Als Alternative nennt die Vorlage schlicht „Keine“. Die ZBM selbst rechnet für 2026 nur noch mit einem Überschuss von 138.000 Euro, nach 2,4 Mio. Euro im Vorjahr. Ihre Ausschüttung an die Stadt von 2,97 Mio. Euro muss sie deshalb aus der Gewinnrücklage nehmen. Die liquiden Mittel sollen bis 2030 von 4,9 auf 2,6 Mio. Euro sinken.
Kritik
Eine Gesellschaft, die Jahr für Jahr über drei Millionen Euro Verlustausgleich braucht, ist kein Projekt mehr, sondern ein dauerhafter Zuschussempfänger. Dass mehr als die Hälfte aller Verlustausgleiche der Holding an das Citymarketing geht, passt schlecht zu einer Stadt, die ihre Holding dafür bereits aus der Rücklage speisen muss. Der Zuschuss hätte schrittweise sinken müssen, etwa durch mehr Eigenerlöse oder einen klar umrissenen Aufgabenkatalog. Und eine Ausgabe in dieser Größenordnung gehört im Stadtrat gesondert diskutiert und beschlossen, nicht im Paket eines Wirtschaftsplans.
0238/2026: Wirtschaftliche Beteiligungen; Zentrale Beteiligungsgesellschaft der Stadt Mainz mbH (ZBM);, Ratsinformationssystem der Stadt Mainz, 17. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.