2,12 Millionen Euro für Schulcomputer
Mainz plante 220.000 Euro für den Ersatz von 1.400 alten Schulrechnern, jetzt kostet es 2,12 Millionen Euro und die Förderung ist nicht bewilligt
Was ist passiert?
Die Stadt Mainz ist Trägerin der staatlichen Schulen und stellt dort Notebooks und PCs bereit. Die Geräte laufen über eine vom Land ausgeschriebene Netzwerklösung mit Windows und sind fester Bestandteil der Medienkonzepte der Schulen.
Dann kam die Software-Uhr ins Spiel: Microsoft hat im Oktober 2025 das Ende von Windows 10 eingeläutet, im Laufe des Jahres 2026 sollen die Sicherheitsupdates abgestellt werden. Das Schulamt stellte gemeinsam mit einem Support-Dienstleister alle Geräte um, die das technisch können. Rund 1.400 Geräte können es nicht. Sie würden künftig keine Sicherheitsupdates mehr erhalten und sollen deshalb ersetzt werden.
Im Haushalt 2026 standen für das Projekt „Digitale Erweiterung“ allerdings nur 220.000 Euro bereit, Nachbewilligungen gab es bislang keine. Nun soll der Stadtrat am 17. Juni 2026 weitere 1,9 Mio. Euro überplanmäßig freigeben. Die voraussichtlichen Gesamtkosten liegen damit bei 2,12 Mio. Euro. Der Mehrbedarf ist fast neunmal so hoch wie der ursprüngliche Ansatz (1.900.000 : 220.000 ≈ 8,6). Das Geld fließt nicht allein in Geräte, sondern auch in zusätzliche Netzwerkkomponenten, verlängerte Lizenzen und die Umstellung der Grund- und Förderschulen auf IP-Telefonie.
Die Verwaltung begründet die Summe mit der Sicherheit: Ohne das Geld drohten Sicherheitslücken, Supportlücken und Geräte, die nicht mehr nutzbar wären. Der Unterricht wäre dann nicht mehr uneingeschränkt möglich. Das ist plausibel, erklärt aber nicht, warum der Ansatz so knapp war.
Bezahlen soll das vorrangig der Digitalpakt 2.0, allerdings ausdrücklich „vorbehaltlich der rechtlichen Möglichkeit“. Die Stadt verweist darauf, dass der Digitalpakt 1.0 solche Ausstattung zu 90 Prozent förderte. Selbst bei dieser Quote auf die gesamte Summe blieben 190.000 Euro bei der Stadt (10 % von 1,9 Mio. Euro). Eine Bewilligung liegt aber noch nicht vor, die Auszahlungen sind für das dritte und vierte Quartal 2026 vorgesehen.
Kritik
Ein Ansatz von 220.000 Euro für einen Gerätetausch dieser Größenordnung samt Netzwerk und Telefonie war von Beginn an zu knapp bemessen, zumal das Ende von Windows 10 seit Oktober 2025 feststand. Ein neunfacher Nachschlag mitten im Haushaltsjahr zeigt, dass der Bedarf nicht sauber geplant wurde. Zudem soll Geld ausgegeben werden, dessen Gegenfinanzierung noch nicht bewilligt ist, das Risiko liegt damit bei den Mainzer Steuerzahlern. Besser wäre gewesen, den Austausch früh einzuplanen, nach tatsächlichem Bedarf zu staffeln und die Ausgaben an den Förderbescheid zu koppeln.
0774/2026: Haushaltsangelegenheit; "Digitale Erweiterung", 7.001195., Ratsinformationssystem der Stadt Mainz, 9. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.