Staatsbilanz

Stadt/Mainz/Kostensteigerung

26 Millionen für Übergangsschulen in Mainz

Mainz zahlt für das Gymnasium in Mombach 26 Millionen Euro für Container und ein Mietgebäude, das nach fünf Jahren nicht der Stadt gehört

Was ist passiert?

Am Schulstandort „Am Lemmchen“ im Mainzer Stadtteil Mombach teilen sich eine Grundschule, eine Realschule plus und das 2023 gegründete Gymnasium das Gelände. Alle drei sollen Neubauten erhalten, das Gymnasium für 58,608 Mio. Euro. Bis dahin lernen die derzeit 307 Gymnasiasten in einer eigens errichteten Containerschule, die für vier Jahrgänge ausgelegt war.

Dann legte ein Anlieger Widerspruch gegen die Baugenehmigung ein. Das Verfahren endete im Dezember 2025 zugunsten der Stadt, doch der Zeitplan war dahin. Der Neubau soll nun erst zum Schuljahr 2029/2030 bezogen werden, statt wie geplant 2027/2028. Die Container reichen für die Zwischenzeit nicht aus. Die Gebäudewirtschaft Mainz will deshalb ab Sommer 2027 ein zweites Interimsgebäude in Holzmodulbauweise mieten, aufgestellt auf dem Schulhof zwischen Sporthalle und Realschule.

Den Auftrag soll die Mobispace GmbH aus Darmstadt ohne Ausschreibung bekommen. Die Begründung: Für ein komplett gemietetes Gebäude in Holzbauweise habe die Firma ein Alleinstellungsmerkmal. Eine Kölner Kanzlei habe das juristisch geprüft, der Stadtvorstand habe es bestätigt. Eine Funktionalausschreibung dauere zu lange, wegen der Dringlichkeit gebe es keine Alternative.

Die Rechnung sieht so aus: 4,7 Mio. Euro Miete für eine angenommene Standzeit von fünf Jahren, dazu 1,384 Mio. Euro Einmalzahlung für Bauantrag, Lieferung und Montage. Zusammen sind das 6,084 Mio. Euro. Das macht gut 1,2 Mio. Euro pro Jahr (6,084 Mio. : 5) und allein für die Miete rund 78.000 Euro im Monat (4,7 Mio. : 60). Am Ende bleibt der Stadt davon kein eigenes Gebäude. Hinzu kommen 19,926 Mio. Euro für die verlängerte Standzeit der Containerschule. Beide Übergangslösungen zusammen kosten rund 26,0 Mio. Euro (6,084 + 19,926), das sind etwa 44 Prozent der Neubaukosten (26,01 : 58,608). Den Gesamtbedarf des Projekts beziffert die Vorlage auf 85,718 Mio. Euro, mit Preisrisiko.

Kritik

Ein Auftrag über mehr als sechs Mio. Euro ohne Wettbewerb nimmt der Stadt die Möglichkeit, Preise und Angebote zu vergleichen. Die Dringlichkeit ist zudem hausgemacht: Eine Interimsschule nur für vier Jahrgänge zu bauen, obwohl der Neubau von einem Widerspruch aufgehalten werden konnte, war knapp kalkuliert. Wenn schon Übergangslösungen für über 26 Mio. Euro nötig werden, hätte die Stadt den Bedarf früher erkennen und zumindest ein beschleunigtes Verfahren mit mehreren Anbietern wählen müssen. Auch Kauf statt reiner Miete wäre eine Rechnung wert gewesen, denn nach fünf Jahren Zahlung bleibt nichts zurück.

0600/2026: Bauvorhaben: Gymnasium Mombach, Interim II, Holzmodulgebäude zur Miete, Ratsinformationssystem der Stadt Mainz, 21. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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