600.000 Euro für eine Heizung auf Zeit
Mainz baut der Gesamtschule Bretzenheim eine neue Gasheizung für 600.000 Euro, die nach der Sanierung zu groß ist und ersetzt werden muss
Was ist passiert?
Die Integrierte Gesamtschule Bretzenheim gehört zu den größten Schulen der Stadt. Ihr Hauptgebäude stammt aus den 1970er Jahren und weist laut Stadtverwaltung alle energetischen, gebäudetechnischen und baulichen Mängel auf, die für diese Zeit typisch sind. Eine umfassende Sanierung steht an.
Doch zuerst fiel die Heizung aus. Übergangsweise wurde die Schule mit einer Strom-Wärmepumpe beheizt. Das ging nur mit Abstrichen: Die Turnhalle blieb kalt, und das Stromnetz der Schule musste in Abstimmung mit den Stadtwerken für die Zeit der Notbeheizung eigens bewältigt werden.
Als Dauerlösung entschied sich die Stadt trotzdem für das, was schon da war. Die Gasheizkessel wurden eins zu eins ersetzt, für rund 600.000 Euro. Die Verwaltung nennt dafür mehrere Gründe. Fernwärme sei erst in ein bis zwei Jahren möglich gewesen, Geothermie hätte zu lange gedauert, Holzhackschnitzel hätten im Wohngebiet zu viel Feinstaub verursacht, und für Wärmepumpen hätte der Schulhof nicht gereicht. Der Wärmebedarf liegt bei 1.050 Kilowatt, was dem Bedarf von 210 Einfamilienhäusern entspricht (1.050 geteilt durch 5). Hinzu kamen der Termindruck wegen der Wetterlage und die Sorge, bei einer geförderten Lösung die spätere Förderung des Gesamtgebäudes zu verspielen.
Die Alternative mit erneuerbaren Energien war mit 1,35 Millionen Euro veranschlagt, also mit 750.000 Euro mehr. Die Stadt hält es für unverantwortlich, diese Mehrkosten einzugehen, wenn die Anlage nach der Sanierung ohnehin nicht weiter nutzbar sei.
Damit räumt die Verwaltung selbst ein, was der Haken ist: Nach der energetischen Sanierung wird die Heizanlage deutlich kleiner. Sie könnte dann nicht angepasst werden, sondern müsste ebenfalls neu gebaut werden. Die 600.000 Euro sind damit zu einem erheblichen Teil eine Investition in eine Anlage, die bald wieder ersetzt werden muss.
Kritik
Wer eine Heizung für 600.000 Euro baut und zugleich einräumt, dass sie nach der Sanierung zu groß ist und neu gebaut werden muss, plant die nächste Ausgabe gleich mit. Die Notbeheizung mit einer Wärmepumpe hat gezeigt, dass die Schule auch mit einer Übergangslösung durch die Kälte kam, und Fernwärme sollte in ein bis zwei Jahren möglich sein. Die Stadt hätte die Heizung und die Sanierung als ein Vorhaben planen und die Zwischenzeit mit einer gemieteten oder verlängerten Übergangslösung überbrücken sollen. Termindruck erklärt eine Notlösung, aber keine Dauerinvestition, die ihren Nutzen nur für kurze Zeit entfalten kann.
0192/2026: Heizarten an Schulen (Die Linke), Ratsinformationssystem der Stadt Mainz, 4. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.