Staatsbilanz

Stadt/Mainz/Kostensteigerung

790.681 Euro mehr für Aufzug am Bahnhof

Mainz braucht 790.681 Euro mehr für Aufzug und Treppe am Bahnhof Römisches Theater, weil eine Ausschreibung scheiterte und die Planung spät kam

Was ist passiert?

Der Bahnhof Römisches Theater in Mainz soll barrierefrei an die Oberstadt angebunden werden. Dafür entstehen ein Aufzug, eine Treppe nach aktuellen Normen und eine Aussichtsplattform mit Blick auf die Ausgrabungsstätte des römischen Theaters.

Nun reicht das Geld nicht. In einer Vorlage vom 15. Januar 2026 beantragt die Verwaltung weitere 790.681 Euro für das Haushaltsjahr 2026. Der Stadtrat soll am 4. Februar 2026 darüber entscheiden.

Der größte Einzelposten sind Nachträge der Baufirma für Hoch-, Tiefbau und Verkehrswege über 300.000 Euro. Er geht vor allem auf größere Mengen bei Erd- und Betonarbeiten an der Treppenanlage zurück und macht knapp 38 Prozent der Summe aus (300.000 : 790.681). Dazu kommen 90.000 Euro für zusätzliche Planungsleistungen im Bauablauf und 40.000 Euro, weil die provisorische Treppe länger bereitgestellt werden musste. Rechnet man die 175.396 Euro offener Rechnungen aus 2025 und die 19.285 Euro aktivierbarer Eigenleistungen heraus, bleiben 596.000 Euro Zusatzkosten (790.681 − 175.396 − 19.285).

Die Ursache liegt laut Vorlage in der Bauzeitverlängerung. Die erste Ausschreibung für Metallbau und Verglasung wurde aufgehoben, weil die Angebotspreise überhöht waren, und musste wiederholt werden. Außerdem verzögerte sich die Werkplanung für den Hochbau, sodass die Arbeiten in den Winter fielen und das Wetter zusätzlich bremste. Hinzu kamen Abstimmungen zwischen den Gewerken und Änderungen am Plan.

Die Verwaltung hält die Kosten für „in dieser Form nicht vorhersehbar“. Das mag für das Wetter gelten. Eine zu teure Ausschreibung und eine späte Planung sind aber keine Naturereignisse, sondern Vorgänge, die vor dem ersten Spatenstich zu erkennen waren.

Kritik

Barrierefreie Zugänge sind eine notwendige Aufgabe, doch hier wurde der Bau ohne ausgereifte Werkplanung begonnen. Wer den Aufzug erst nach einer gescheiterten Ausschreibung vergibt und dann in den Winter baut, darf sich über Nachträge und längere Bereitstellungszeiten nicht wundern. Die Stadt hätte Kostenschätzung und Planung vor der Ausschreibung so absichern müssen, dass Angebote nicht aufgehoben werden und der Zeitplan hält. Von „nicht vorhersehbar“ zu sprechen, ist bei diesem Ablauf zu bequem.

0122/2026: Haushaltsangelegenheiten, Ratsinformationssystem der Stadt Mainz, 27. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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