Staatsbilanz

Stadt/Mainz/Finanzrisiko

9,4 Mio. Euro Verlust mit gemieteten Laboren

Eine städtische Firma in Mainz mietet Labore für Biotechfirmen und verliert bis 2030 rund 9,4 Mio. Euro, bei nur 137.000 Euro Einnahmen im Jahr

Was ist passiert?

Die biomindz Standortentwicklungsgesellschaft Mainz mbH gehört über die Zentrale Beteiligungsgesellschaft der Stadt (ZBM) zum städtischen Konzern. Sie beschäftigt acht Personen, darunter drei Werkstudenten und Minijobber, und setzt Projekte aus Kooperationsvereinbarungen zwischen der Stadt und dem Land Rheinland-Pfalz um. Ihr Geld verdient sie kaum: Ein Teil der Bürofläche wird untervermietet, mehr Erlöse gibt es nicht.

Für 2026 plant die Geschäftsführung einen Jahresfehlbetrag von 2.059.000 Euro. Das sind 747.000 Euro mehr als die aktuelle Prognose für 2025 (1.312.000 Euro). Umgerechnet macht die Gesellschaft damit jeden Tag rund 5.600 Euro Verlust (2.059.000 Euro geteilt durch 365). Bei Umsatzerlösen von 137.000 Euro steht jedem eingenommenen Euro ein Verlust von rund 15 Euro gegenüber.

Treiber ist eine neue Geschäftstätigkeit: Die Gesellschaft will Laborflächen anmieten und an kleine Biotechfirmen weitervermieten. Damit soll eine „derzeit bestehende Angebotslücke temporär“ geschlossen werden, so die Vorlage. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen steigen um 572.000 Euro auf 1.367.000 Euro, das ist im Wesentlichen diese Anmietung. Die Erlöse wachsen dagegen nur um 52.000 Euro. Auf einen zusätzlichen Euro Einnahmen kommen somit gut elf Euro zusätzlicher Aufwand (572.000 geteilt durch 52.000). Hinzu kommen 250.000 Euro für Laborinfrastruktur.

Auch danach soll es nicht besser werden. Für 2027 bis 2030 sind Verluste zwischen 1,80 und 1,85 Mio. Euro pro Jahr eingeplant. Zusammen mit 2026 ergeben sich rund 9,4 Mio. Euro (2.059 + 1.800 + 1.818 + 1.835 + 1.853 Tausend Euro). Die Gesellschaft selbst ist dabei nur eine Durchlaufstelle: Das Eigenkapital beträgt 45.000 Euro, die liquiden Mittel 25.000 Euro. Die ZBM gleicht jeden Fehlbetrag aus.

Direkt belastet das den Stadthaushalt nicht, so die Verwaltung. Allerdings kann die ZBM in Höhe des Verlustausgleichs weniger ausschütten oder zurücklegen.

Kritik

Eine Gesellschaft, die ohnehin über 1,3 Mio. Euro im Jahr verliert, sollte nicht zusätzlich Laborflächen anmieten und damit das Leerstandsrisiko übernehmen. Wenn zusätzliche Aufwendungen von 572.000 Euro nur 52.000 Euro Mehrerlös gegenüberstehen, ist das keine Überbrückung, sondern ein neuer Dauerverlust. Flächen hätten erst angemietet werden dürfen, wenn Mieter verbindlich zugesagt haben. Außerdem hätte der Stadtrat den Jahresverlust von rund 1,8 Mio. Euro begrenzen müssen, statt ihn bis 2030 fortzuschreiben.

0236/2026: Wirtschaftliche Beteiligungen; biomindz Standortentwicklungsgesellschaft Mainz mbH (biomindz), Ratsinformationssystem der Stadt Mainz, 17. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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