Staatsbilanz

Stadt/Mainz/Finanzrisiko

96.000 Euro für einen Anteil von 3.048 Euro

Eine Mainzer Werbefirma ohne eigene Einnahmen zahlte 2023 und 2024 je 48.000 Euro für ein Prozent an einer Frankfurter Firma, die Verluste macht

Was ist passiert?

Die Rheinhessen Standort Marketing GmbH soll die Region nach außen vertreten. Sie hat keine eigenen Umsatzerlöse und lebt von Zuschüssen ihrer Gesellschafter. Ihr Geschäftsführer arbeitet im Minijob und kostete 2024 rund 8.200 Euro. Die Gesellschaft hat damit praktisch nur eine Aufgabe: Sie zahlt.

Im Jahr 2019 erwarb sie für gut 3.000 Euro einen Anteil von einem Prozent an der FrankfurtRheinMain Marketing of the Region GmbH. Damit verpflichtete sie sich vertraglich, jedes Jahr Geld in deren Kapitalrücklage einzuzahlen, aktuell 48.000 Euro. Die FrankfurtRheinMain-Gesellschaft ist laut Vorlage dauerdefizitär und auf Zuschüsse ihrer Gesellschafter in Höhe der jährlichen Defizite angewiesen.

In den Büchern der Mainzer Gesellschaft bleibt von dem Geld nichts stehen. Die Beteiligung steht unverändert mit 3.048 Euro in der Bilanz, denn die jährliche Einzahlung wird am Stichtag per außerplanmäßiger Abschreibung wieder ausgebucht. So geschah es 2023 und 2024, je 48.000 Euro, zusammen 96.000 Euro. Das ist gut das 31-Fache des ursprünglichen Kaufpreises (96.000 : 3.048).

2024 stieg der Jahresfehlbetrag auf 59.630 Euro, nach 44.037 Euro im Vorjahr. Geplant war ein ausgeglichenes Ergebnis. Als Grund nennt die Vorlage eine geänderte Bilanzierung der Gesellschafterzuschüsse, die 2024 in Höhe von 62.000 Euro in die Kapitalrücklage flossen, statt als Ertrag verbucht zu werden. Die Abweichungen seien „erheblich, jedoch nachvollziehbar“.

Die Ausgaben der Gesellschaft beliefen sich 2024 auf rund 60.300 Euro. Davon entfielen 48.000 Euro, also etwa 80 Prozent (48.000 : 60.263), auf die Zahlung nach Frankfurt. Für Personal und laufende Kosten blieben gut 12.000 Euro. Unter „Finanzielle Auswirkungen“ trägt die Vorlage dennoch „keine“ ein, unter „Alternative“ ebenfalls „keine“. Der Stadtrat sollte den Abschluss Anfang Februar 2026 feststellen und den Geschäftsführer entlasten.

Kritik

Vier Fünftel der Ausgaben einer Gesellschaft ohne eigene Einnahmen fließen Jahr für Jahr in das Defizit einer anderen Gesellschaft und stehen danach nirgends mehr als Wert in den Büchern. Für ein Prozent Anteil und 3.048 Euro Einstand wurden binnen zwei Jahren 96.000 Euro nachgeschossen, ohne dass ein greifbarer Gegenwert benannt wird. Die Angabe „keine finanziellen Auswirkungen“ passt nicht zu Zuschüssen von 62.000 Euro im Jahr. Die Gesellschafter hätten die Mitgliedschaft samt Nachschusspflicht längst auf den Prüfstand stellen und ein Ausstiegsszenario vorlegen müssen, bevor weitere Jahresbeiträge in dieser Höhe verbucht und abgeschrieben werden.

1898/2025: Wirtschaftliche Beteiligungen; Rheinhessen Standort Marketing GmbH (RHSM), Ratsinformationssystem der Stadt Mainz, 27. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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