Behelfsmuseum für Bibeln kostet 10,5 Mio. Euro
Mainz schätzte 2021 den Umbau einer Kirche für die Gutenberg-Bibeln auf 2,1 Mio. Euro, jetzt sind es 9 Mio. und 927.000 Euro fehlen noch
Was ist passiert?
Das Gutenberg-Museum in Mainz soll durch einen Neubau am alten Standort ersetzt werden. Damit die Gutenberg-Bibeln und andere Schätze während der Bauzeit zu sehen bleiben, zog die Stadt mit einer Interimsausstellung in das benachbarte Naturhistorische Museum, genauer in die ehemalige Reichklarakirche.
Begonnen hatte das Vorhaben bescheiden. Eine grobe Kostenschätzung sprach 2021 von 2,1 Mio. Euro für den Bau, ohne Ausstattung. Heute stehen laut Vorlage 9.012.815,12 Euro für Baukosten bereit, also gut das Vierfache (9,01 Mio. Euro geteilt durch 2,1 Mio. Euro). Dazu kommen 1,5 Mio. Euro für Ausstellungskonzeption und Szenografie. Die Gesamtkosten liegen damit bei 10.512.815,12 Euro.
Zwischendurch wuchs das Projekt um Dinge, die zu Beginn niemand eingeplant hatte: eine Multifunktionsbox auf dem Museumsvorplatz mit Shop, Café, Ticketverkauf und WC-Anlagen sowie ein Raum im Glasturm des Naturhistorischen Museums. Die Verwaltung begründet das mit begrenzten Flächen, Reisegruppen und Bauphysik. Auch Sicherheitstechnik und Klimavitrinen seien wegen der einzigartigen Exponate „alternativlos“ gewesen.
Nun fehlt erneut Geld. Das Projekt sollte 2025 enden, deshalb meldete die Stadt für 2026 nichts mehr an. Weil Haushaltsausgabereste nicht mehr übertragen werden, können Rechnungen über 904.794,88 Euro nicht bezahlt werden. Mit 22.619,87 Euro aktivierbarer Eigenleistung ergeben sich 927.414,75 Euro, die der Stadtrat am 6. Mai 2026 außerplanmäßig bereitstellen soll. Das sind rund 8,8 Prozent der bisherigen Gesamtkosten (927.414,75 Euro geteilt durch 10.512.815,12 Euro). Die Vorlage nennt als Alternative nur, die Lieferanten nicht zu bezahlen.
Kritik
Ein Provisorium, das am Ende mehr als das Vierfache der ersten Baukostenschätzung verschlingt, war von Anfang an zu knapp kalkuliert. Shop, Café und WC-Anlagen sowie zusätzliche Ticketschalter gehören in die Planung vor dem Start und nicht als Wunsch mitten ins laufende Projekt. Dass für 2026 keine Mittel angemeldet wurden, obwohl der Abschluss 2025 verfehlt werden konnte, zeugt von Optimismus statt von Haushaltsdisziplin. Bei einem Interim, das nur für die Bauzeit des Neubaus gedacht ist, hätte die Stadt Umfang und Kosten von Beginn an fest begrenzen müssen.
0576/2026: Haushaltsangelegenheit;, Ratsinformationssystem der Stadt Mainz, 28. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.