Grundschule in Mainz: 35,6 statt 17 Millionen
Der Schulneubau in Laubenheim kostet 35,6 statt 17 Millionen Euro und hat nicht begonnen, die Container-Miete kommt mit 3,5 Millionen obendrauf
Was ist passiert?
Laubenheim ist ein Stadtteil von Mainz, dessen Grundschule durch einen Neubau ersetzt werden soll. Nach heftiger Kritik der Anwohner an der ersten Planung von 2016 einigte man sich 2018 in einem Beteiligungsverfahren auf eine vierzügige Schule. Die Baukosten lagen nach Angaben der FDP-Stadtratsfraktion damals bei 17 Mio. Euro und damit rechnerisch unter den Kosten für Erhalt und Sanierung des Altbaus. Damit der Unterricht nicht auf der Baustelle stattfinden muss, zog die Schule 2021 in eine Interims-Containerschule. Der Neubau sollte spätestens nach drei Jahren stehen.
Daraus wurde nichts. Die aktuelle Kostenberechnung vom Oktober 2025 nennt 35,6 Mio. Euro. Das sind 18,6 Mio. Euro mehr (35,6 minus 17) und gut das Doppelte. Der für das erste Quartal 2026 angekündigte Baubeginn blieb aus, auch nach dem 1. April regte sich auf der Baustelle nichts. Die Verwaltung verweist auf Abstimmungen zwischen den Fachplanern, Genehmigungsfragen, eine Umplanung wegen der Zügigkeit und Restschadstoffe, die nach dem Abbruch entsorgt werden mussten. Hinzu kam ein größeres Raumprogramm: Ein größerer Speiseraum war 2020 nicht genehmigt worden, 2021 reichte die Stadt einen Neubau mit 60 m² ein, inzwischen sind es ca. 140 m², genehmigt im Juli 2025.
Die Container laufen derweil weiter. Ihre Miete summiert sich seit März 2021 auf 3.477.421,57 Euro. Bei gut 63 Monaten bis zur Antwort im Juni 2026 sind das rund 55.000 Euro im Monat. Diese Summe steckt nicht in den 35,6 Mio. Euro, zusammen ergeben sich rund 39,1 Mio. Euro. Die Genehmigung für die Container endet am 2. Juni 2028, die Bauzeit soll jedoch drei Jahre betragen. Bei Baubeginn 2026 wäre die Schule rechnerisch erst 2029 fertig, eine Verlängerung setzt einen nachgewiesenen Bedarf voraus.
Auf die Frage, ob ein Sicherheitszuschlag für längere Bauzeit und steigende Preise eingeplant war, antwortete die Verwaltung knapp mit Nein. Kostenrisiken aus Baupreisen, Planungsänderungen und langen Umsetzungszeiträumen könnten vorab nicht berücksichtigt werden. Das ist die Sicht der Verwaltung, nur sind gerade diese Risiken bei einem Großprojekt mit jahrelanger Laufzeit absehbar.
Kritik
Eine Kostenplanung, die Preissteigerungen und lange Laufzeiten grundsätzlich ausblendet, ist bei einem mehrjährigen Schulbau wertlos, denn sie liefert der Politik eine Entscheidungsgrundlage, die nie zu halten war. Die Stadt hätte von Beginn an mit Risikozuschlägen rechnen und das Raumprogramm samt Mensa für den absehbaren Ganztagsanspruch gleich richtig planen müssen. Die Containermiete von rund 55.000 Euro im Monat zeigt zudem, dass jede Verzögerung real Geld kostet. Diese Folgekosten gehören von Anfang an in die Gesamtkosten und in den Zeitplan, damit ein Projekt nicht nach 2028 ohne gültige Genehmigung dasteht.
0751/2026: Sachstand Grundschule Laubenheim - Transparenz und verlässliche Umsetzung (FDP), Ratsinformationssystem der Stadt Mainz, 6. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.