Gutenberg-Museum: 15 Millionen Euro fürs Design
Mainz baut das Gutenberg-Museum für 89,9 Millionen Euro neu, die Gestaltung der Ausstellung kostet noch 15 Millionen Euro extra
Was ist passiert?
Das Gutenberg-Museum erzählt in der Mainzer Innenstadt die Geschichte des Buchdrucks. Es soll durch einen Neubau und einen Erweiterungsbau ersetzt werden, zusammen mit den Nachbargebäuden „Römischer Kaiser“ und „Hotel Schwan“ soll ein neuer Museumskomplex entstehen. Die Eröffnung ist für 2032 vorgesehen.
Doch schon die Zahlen für den Bau wandern. Im November 2024 war von 82 Mio. Euro die Rede. Eine erste Kostenschätzung kam auf rund 110 Mio. Euro, was die Verwaltung mit gestiegenen Baupreisen nach Corona-Krise und Ukraine-Krieg begründete. Nach einer Optimierung liegt das Projekt nun bei rund 89,9 Mio. Euro, also 7,9 Mio. Euro über dem Stand von 2024 (89,9 minus 82). Hinzu kommen 15 Mio. Euro für die Szenografie, die der Stadtrat im März 2024 beschlossen hat. Das sind knapp 17 Prozent der Baukosten (15 geteilt durch 89,9), und zwar nur für die Gestaltung der Ausstellung. Die weiteren Ausstattungskosten werden laut Verwaltung noch ermittelt, einen Betrag gibt es nicht.
Die Verwaltung beruhigt: Die Szenografiekosten blieben konstant, weil sie sich nach der Honorarordnung richteten. Das stimmt vermutlich, solange sich an den Vergabebedingungen nichts ändert.
Der Zeitplan hat bereits gelitten. Dem Planungsbüro für die Gebäudetechnik wurde nach mehrfacher Fristsetzung gekündigt, es meldete kurz darauf Insolvenz an. Die Kostenschätzung, die ursprünglich bis Dezember 2025 vorliegen sollte, ist nun für das erste Quartal 2026 angekündigt. Sie darf um 20 bis 30 Prozent danebenliegen, bei 89,9 Mio. Euro wären das rund 18 bis 27 Mio. Euro. Das Hotel Schwan hat eine stark angegriffene Statik, eine Notsprießung wurde schon eingebaut, das Haus bekam eine eigene Terminschiene.
Die Finanzierung steht noch nicht. Das Land soll etwa 20 bis 25 Mio. Euro beisteuern. Die beantragten 7,4 Mio. Euro vom Bund für die Szenografie sind noch nicht bewilligt.
Kritik
15 Mio. Euro für die Inszenierung der Ausstellung sind eine Summe, die allein schon Fragen aufwirft, zumal die übrige Ausstattung noch gar nicht beziffert ist. Die Stadt hat sich auf einen Betrag festgelegt, bevor der Rohbau steht und bevor die Gesamtkosten bekannt sind. Mainz hätte den Szenografie-Rahmen erst beschließen sollen, wenn Bau- und Ausstattungskosten zusammen vorliegen, und ihn dann spürbar niedriger ansetzen müssen. Wer bei Baukosten schon 7,9 Mio. Euro über dem Stand von 2024 liegt und mit einer Toleranz von bis zu 30 Prozent rechnen muss, sollte bei der Gestaltung der Räume nicht aus dem Vollen schöpfen.
0145/2026: Sachstand Gutenberg-Museum (CDU), Ratsinformationssystem der Stadt Mainz, 4. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.