Mainzer Schule zieht in marodes Haus?
Mainz kippt einen Neubau für 50 Millionen Euro und plant ein altes Hochschulgebäude, dessen Zustand und Kosten niemand kennt
Was ist passiert?
Die Berufsbildende Schule II (BBS II) in Mainz ist auf zwei Standorte verteilt. Am Feldbergplatz teilt sie sich das Haus mit einer Grundschule, in der Leibnizstraße mit einer weiteren. Weil die Schülerzahlen steigen, wird es an allen Standorten zunehmend eng.
Der Stadtrat hatte deshalb im Februar 2017 beschlossen, die Schule in einem Neubau auf dem Gelände der alten Fachhochschule An der Bruchspitze zusammenzuführen. Das Grundstück wurde gekauft, ein Architektenwettbewerb vorbereitet. Gebaut wurde nichts. Nach gut neun Jahren ist die Schule noch immer auf zwei Standorte verteilt.
Nun soll der Stadtrat am 25. März 2026 die Kehrtwende beschließen: Die BBS II soll dauerhaft in die ehemalige Hochschule in der Holzstraße 36 ziehen. Die Hochschule soll im Laufe des Jahres 2026 ausziehen. Ursprünglich war das Gebäude nur als Zwischenlösung gedacht, und dabei sollte ausdrücklich auf eine vollumfängliche Betrachtung des Gebäudezustandes verzichtet werden. Jetzt wird aus dem Provisorium die Dauerlösung. Eine Bewertung der Bausubstanz nennt die Verwaltung selbst „zwingend erforderlich“. Sie hängt aber vom Auszug der Hochschule ab und liegt deshalb nicht vor.
Die Begründung: Der Neubau würde mit ca. 50 Mio. Euro, Preissteigerungen nicht eingerechnet, den angespannten Haushalt belasten und zudem Grün- und Baumbestand beeinträchtigen. Außerdem seien zwei Umzüge in kurzem Abstand für die Schulgemeinschaft eine Zumutung. Deshalb sei „davon auszugehen“, dass Sanierung und Erweiterung in der Holzstraße günstiger werden als der Neubau. Eine Kostenschätzung gibt es nach Angaben der Vorlage nicht. Einer Zahl von 50 Mio. Euro steht also eine Vermutung gegenüber. Die Haushaltsmittel sollen erst im Rahmen der künftigen Haushaltsplanungen angemeldet werden.
Kritik
Einen beschlossenen Neubau zu kippen und eine Dauerlösung zu wählen, bevor man den Zustand des Ersatzgebäudes kennt, ist ein Kauf im Blindflug. Wer mit Kosten argumentiert, muss die günstigere Variante auch beziffern können. Erst Gebäudegutachten und Kostenschätzung, dann der Vergleich beider Varianten mit Zahlen, und erst danach die Entscheidung. Nach neun Jahren Stillstand sollte die Stadt nicht die nächste Weichenstellung ohne belastbare Grundlage treffen.
1582/2025: Verlagerung und Zusammenführung der Berufsbildenden Schule II (Sophie-Scholl-Schule), Ratsinformationssystem der Stadt Mainz, 4. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.