Staatsbilanz

Stadt/Mainz/Kostensteigerung

Radzähler in Mainz: Jahre zu spät

Mainz wollte 2022 an 20 Stellen Radfahrer zählen, jetzt kostet es 240.000 statt 170.000 Euro und viele Zähler laufen noch nicht richtig

Was ist passiert?

Wer Radwege gut planen will, braucht verlässliche Zahlen. Die Stadt wollte deshalb an wichtigen Radachsen dauerhaft zählen lassen, wie viele Menschen mit dem Rad unterwegs sind. Nach einem Antrag 2018 sagte der Bund 2019 eine Förderung von 70 Prozent für 20 feste Zählstellen zu. An zwei Standorten sollten außerdem Stelen den Radverkehr für jedermann sichtbar anzeigen. Die Verwaltung nannte 2020 als Ziel, alle Zählschleifen bis Ende 2022 zu installieren.

Doch im späten Frühjahr 2024 waren erst sechs Dauerzählstellen eingebaut, vier davon im Testbetrieb. Im März 2026, gut drei Jahre nach dem genannten Termin, räumte die Verwaltung auf Anfrage der FDP-Fraktion ein, dass in der Hauptstraße und in der Saarstraße noch Standorte baulich fehlen. Auch die Stelen stehen noch nicht, ihr Einbau soll im Frühsommer folgen. Ein Großteil der Schleifen läuft zudem nur im Dauermessbetrieb und nicht im Regelbetrieb, weil die Daten erst aufbereitet und mit Vergleichsmessungen abgeglichen werden müssen. Das Webportal, in dem Bürger die Zahlen einsehen können sollen, ist noch nicht online. Wie sich das Wetter auf den Radverkehr auswirkt, wurde bislang nicht ausgewertet.

Die Verwaltung begründet die Verzögerung damit, dass im Zuge der Radnetzplanung Standorte neu hinzukamen oder verschoben wurden. Das habe Abstimmungen mit Fachabteilungen und Hersteller erfordert. Plausibel klingt das, doch es kostete Zeit und Geld: Statt rund 170.000 Euro fallen nun rund 240.000 Euro an, also 70.000 Euro oder gut 41 Prozent mehr (70.000 : 170.000). Bei 70 Prozent Förderung entspricht der Eigenanteil rechnerisch 30 Prozent: Das wären jetzt rund 72.000 Euro statt ursprünglich rund 51.000 Euro. Die Verwaltung versichert dennoch, Mittelverschiebungen mit dem Fördergeber sollten die Stadt nicht höher belasten.

Kritik

Ein Zählnetz, das auf langfristige Trends zielt, muss schon beim Förderantrag stehen, und die Standorte hätten mit der parallelen Radnetzplanung abgestimmt werden müssen, bevor gebaut und bestellt wurde. Stattdessen wurde nachträglich umgeplant, was die Kosten um mehr als ein Drittel erhöhte und den Zeitplan um Jahre sprengte. Zähler, die dreieinhalb Jahre nach dem Zieltermin noch nicht im Regelbetrieb laufen, können ihren Zweck nicht erfüllen. Auch die Stelen, die den Radverkehr sichtbar machen sollen, hätten gleich mit den ersten Standorten gebaut werden können, statt auf unbestimmte Zeit zurückgestellt zu werden.

0182/2026: Fahrrad Messstellen (FDP), Ratsinformationssystem der Stadt Mainz, 4. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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