Theater Mainz: Metallarbeiten 141.000 Euro teurer
Für Metallarbeiten und einen kettenhemdartigen Wandbehang im Foyer des Staatstheaters Mainz sind 367.000 statt geschätzter 226.000 Euro fällig
Was ist passiert?
Das Staatstheater Mainz wird in Bauabschnitten saniert. Für die Metallbauarbeiten schrieb die Stadt den Auftrag beschränkt aus, als Zuschlagskriterium galt allein der Preis. Acht Firmen wurden digital beteiligt, doch nur zwei gaben ein Angebot ab.
Die Kostenschätzung lag bei 226.100 Euro. Das günstigere der beiden Angebote, das der Mainzer Firma Alberti Metallbau, beträgt netto 308.704,15 Euro, mit 58.653,79 Euro Mehrwertsteuer also 367.357,94 Euro. Das sind 141.257,94 Euro mehr als geschätzt (367.357,94 minus 226.100), rund 62 Prozent Aufschlag. Das zweite Angebot lag bei 441.831,55 Euro und damit sogar rund 95 Prozent über der Schätzung (215.731,55 Euro Differenz, geteilt durch 226.100). Ein Wettbewerb, der den Preis hätte drücken können, fand also kaum statt.
Die Verwaltung erklärt den Unterschied vor allem mit einem Wandbehang im Hauptfoyer in Form eines „Kettenhemdes“. Es handle sich um ein künstlerisches Unikat, das sich preislich sehr schwer schätzen lasse. Wie viel von der Summe auf dieses Stück entfällt, nennt die Vorlage nicht. Für Alberti spreche, dass die Firma das Haus gut kenne und schon für den ersten Bauabschnitt sowie den Bauunterhalt tätig war. Zudem müsse es schnell gehen: Mit Lieferzeiten von bis zu zwölf Wochen seien die vorgesehenen Ausführungszeiten sonst nicht zu halten. Die Haushaltsmittel stehen laut Vorlage bereit.
Der Vergabeausschuss sollte am 11.3.2026 über den Zuschlag entscheiden. Ob er so beschlossen wurde, ist nicht bekannt. Aus der Vorlage ergibt sich damit ein Auftrag, der um knapp zwei Drittel teurer wird als geplant, und das wegen eines Kunstwerks, dessen Preis vorher niemand belastbar benennen konnte.
Kritik
Ein Einzelstück, das den Auftrag um mehr als die Hälfte über die Schätzung treibt, gehört als eigene Position mit eigenem Preis in die Planung, bevor Mittel gebunden werden. Eine Kunstinstallation lässt sich getrennt von den Metallbauarbeiten ausschreiben und, wenn sie zu teuer wird, auch verzichten. Bei nur zwei Angeboten, von denen das günstigere schon über der Schätzung lag, ist nicht erkennbar, dass der Preis angemessen ist. Wer ein Kettenhemd an der Foyerwand will, muss vorher wissen, was es kostet, und nicht erst, wenn die Lieferzeit drängt.
0402/2026: Vergabeangelegenheiten, Ratsinformationssystem der Stadt Mainz, 11. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.