50.000 Euro für eine Bühne in Mannheim
Mannheim mietete für eine leere Halle fünf Monate eine Bühne mit Technik, für elf Abende mit oft nur 25 bis 120 Gästen
Was ist passiert?
Auf dem Spinelli-Gelände im Stadtteil Feudenheim steht die U-Halle. Wie es mit dem Hallenkomplex weitergeht, ist offen. Eine wirtschaftliche Nachnutzung durch die Stadt war nach Angaben der Verwaltung absehbar nicht möglich. Trotzdem feierte Mannheim am 17. Mai 2025 die Wiedereröffnung, mit geladenen Gästen und Begleitprogramm. Die Halle sollte belebt und vor Vandalismus geschützt werden, die Bürger sollten nach der Bundesgartenschau weiter für Nachhaltigkeit begeistert werden, und nebenbei wollte man Investoren anlocken.
Bespielt wurde die Halle vom Local Green Deal (LGD). Zwischen dem 17. Mai und dem 17. September fanden dort elf Veranstaltungen statt, zu denen jeweils zwischen 25 und 120 Besucher kamen. Die Verwaltung spricht von einem Interesse, das die Erwartungen übertroffen habe.
Vieles kostete wenig oder gar nichts. Die Stühle spendete die Sparkasse, Ikea stellte Möbel per Sponsoringvertrag, Musik und eine Sprungseildarbietung gab es kostenlos, den Toilettenwagen stellte der Gastronom. Teuer wurde dagegen die Bühne. Anmietung und Aufbau nach arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen, Licht und Technik für fünf Monate schlugen mit rund 50.000 Euro zu Buche. Mit Versicherung, Müll, Wasser, Sanitätsdienst, Fotograf und etwas Mobiliar kamen 52.170 Euro zusammen.
Das ergibt rund 4.740 Euro je Veranstaltung (52.170 Euro geteilt durch 11). Selbst wenn jedes Mal 120 Gäste gekommen wären, hätte jeder Besuch rund 40 Euro gekostet (52.170 Euro geteilt durch 1.320 Besucher). Gemietet war die Technik für fünf Monate, Veranstaltungen gab es in vier. In der ersten Oktoberwoche wurde die Halle geräumt. Weitere Termine plant der LGD dort nicht, er nutzt künftig andere stadteigene Veranstaltungsorte.
Als Erfolg verbucht die Verwaltung, dass Investoren auf das Potenzial der Halle aufmerksam geworden seien. Entsprechende Anfragen würden derzeit geprüft. Was daraus wird, war zum Zeitpunkt der Vorlage im Oktober 2025 nicht bekannt.
Kritik
Rund 50.000 Euro für eine Bühne, auf der elf Veranstaltungen vor teils nur 25 Zuschauern stattfanden, stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Wer eine leere Halle vor Vandalismus schützen und Investoren zeigen will, braucht dafür keine für fünf Monate gemietete Bühnentechnik. Die Stadt hätte die Veranstaltungen in ihren eigenen Räumen durchführen sollen, wie es der LGD jetzt ohnehin tut. Gerade bei angespannter Haushaltslage war dieses Geld schlecht angelegt.
V509/2025: Kosten für die Wiedereröffnung der U-Halle, Ratsinformationssystem der Stadt Mannheim, 9. Dezember 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.