Gehaltsplus im Jobcenter mit der Gießkanne
Der Bund zahlt den Großteil von 3,3 Mio. Euro Zulage für städtische Jobcenter-Mitarbeiter in Mannheim, auch wo sie schon mehr verdienen
Was ist passiert?
Im Jobcenter Mannheim arbeiten Beschäftigte zweier Arbeitgeber nebeneinander. Stadt und Agentur für Arbeit betreiben die Einrichtung gemeinsam, beide stellen Personal, beide zahlen nach eigenem Tarif. Weil die Agentur Funktionszulagen gewährt, verdienen städtische Kräfte bei gleicher Arbeit oft weniger. 2024 waren auf städtischer Seite im Schnitt 16,35 Prozent der Stellen unbesetzt, bei der Agentur unter 5 Prozent. Der Gemeinderat führte daraufhin eine übertarifliche Arbeitsmarktzulage ein.
Nun soll sie bis Ende 2028 verlängert werden. Rund 169 Beschäftigte erhalten pauschal 10 Prozent der Stufe 2 ihrer Entgeltgruppe, 2024 waren das in Entgeltgruppe 10 monatlich 419,15 Euro. Das kostet rund 1,1 Mio. Euro im Jahr, bis 2028 also 3,3 Mio. Euro. Den größten Teil, 84,8 Prozent, trägt der Bund, die Stadt rund 170.000 Euro jährlich.
Pauschal bedeutet: ohne Rücksicht darauf, wie groß der Rückstand tatsächlich ist. Die Gehaltstabelle liegt der Vorlage selbst bei. Ein Arbeitsvermittler in Stufe 5 verdient bei der Stadt bereits 128,35 Euro mehr als sein Kollege von der Agentur und bekommt trotzdem den Zuschlag. In Stufe 6 beträgt der Abstand 3,74 Euro, die Zulage gleicht ihn rund 112-fach aus (419,15 Euro geteilt durch 3,74 Euro). Dass erfahrene Kräfte so bessergestellt werden, räumte die Verwaltung schon 2024 ein. Auf künftige Tariferhöhungen wird die Zulage nicht angerechnet.
Als Erfolgsnachweis dient die Fluktuation. In den begünstigten Funktionen sank die Zahl der Abgänge von 19 im Jahr 2023 auf 4 im Jahr 2025. Die Zahl für 2025 reicht allerdings nur bis Oktober, und im selben Jahr galt bei der Stadt ein Personalmoratorium. Gesunken sind vor allem die Wechsel innerhalb der Stadtverwaltung, von 16 auf 2. Die Kündigungen nach außen lagen 2025 mit 8 sogar über dem Vorjahreswert von 7. Rechnerisch kostet jeder vermiedene Abgang rund 73.000 Euro im Jahr (1,1 Mio. Euro geteilt durch 15 Abgänge weniger).
Kritik
Eine Zulage, die Gehaltsunterschiede ausgleichen soll, darf nicht dort gezahlt werden, wo es keinen Unterschied gibt oder die Stadt bereits mehr zahlt. Die Verwaltung kennt die Lücke für jede Funktion und jede Stufe auf den Cent genau und hätte die Zulage daran ausrichten müssen. Der angebliche Erfolg beruht auf zehn Monaten und einem Jahr mit Einstellungsstopp, ein belastbarer Wirkungsnachweis sieht anders aus. Dass der Bund den Großteil zahlt, macht die Gießkanne nicht billiger, sondern nur bequemer.
V587/2025: Übertarifliche Arbeitsmarktzulage für Beschäftigte der Stadt Mannheim in bestimmten Funktionen beim Jobcenter Mannheim, Ratsinformationssystem der Stadt Mannheim, 29. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.