Staatsbilanz

Stadt/Mannheim/Fehlender Bedarf

Zwei Millionen für eine überflüssige Straße

Mannheim plant in Seckenheim für mindestens zwei Millionen Euro eine Zufahrt zum Neubaugebiet, die laut eigenem Gutachten unnötig ist

Was ist passiert?

Am westlichen Ortsrand von Seckenheim liegt die Otto-Bauder-Anlage, ein früherer Sportplatz der Stadt, der seit der Neuordnung der Sportstätten brachliegt. Auf rund 4,4 Hektar sollen dort mehr als 200 Wohnungen und eine Kita für bis zu sieben Gruppen entstehen. Erschlossen werden kann das neue Quartier über die vorhandenen Straßen des Stadtteils.

Zu diesem Ergebnis kam jedenfalls das Verkehrsgutachten, das die Stadt selbst in Auftrag gegeben hatte. Der Verkehr der künftigen Bewohner lasse sich über das bestehende Straßennetz abwickeln, eine direkte Anbindung an die Neuostheimer Straße sei nicht erforderlich. Die Verwaltung legte dem Bezirksbeirat Seckenheim im Februar 2025 deshalb eine Planung ohne diesen Anschluss vor. Der Bezirksbeirat wünschte sich trotzdem eine zusätzliche Zufahrt, und so wurde sie eingezeichnet.

Was daraus folgt, zählt die Verwaltung in ihrer eigenen Vorlage auf, auffallend ausführlich. Planung und Bau des Anschlusses kosten mindestens zwei Millionen Euro, hinzu kommen noch nicht bezifferte Ausgleichsmaßnahmen und der dauerhafte Unterhalt. Der Lärmschutzwall an der Neuostheimer Straße muss geöffnet werden, ein Schallgutachten wird fällig. Radfahrer bekommen eine neue Kreuzung mit dem Autoverkehr, ein Grünzug wird ein weiteres Mal zerschnitten. Weil die Straße Flächen außerhalb der Ortslage beansprucht, ist das ursprünglich geplante beschleunigte Verfahren vom Tisch. Nötig ist nun ein Bebauungsplan im Vollverfahren mit Umweltbericht. Zudem gehen rund 600 Quadratmeter Bauland verloren, das die Stadt als Eigentümerin hätte vermarkten können.

Umgelegt auf gut 200 geplante Wohnungen kostet allein die Zufahrt mindestens 10.000 Euro je Wohnung (2 Mio. Euro geteilt durch 200). Die Rechnung geht an die Stadt, wie die Kosten verteilt werden, ist noch offen. Dem angestrebten autoarmen Quartier steht die Straße laut Vorlage obendrein im Weg. Der Gemeinderat beschloss den Rahmenplan mit Anschluss dennoch.

Kritik

Wenn das eigene Gutachten eine Straße für überflüssig erklärt, sollte sie nicht gebaut werden. Mindestens zwei Millionen Euro, dazu Folgekosten, ein aufwendigeres Verfahren und verlorenes Bauland für den Wunsch eines Bezirksbeirats sind nicht zu rechtfertigen. Der Gemeinderat hätte der fachlich begründeten Planung ohne Anschluss folgen müssen. Im weiteren Bebauungsplanverfahren sollte die Zufahrt wieder gestrichen werden.

V204/2025: Bebauungsplan Nr. 63.33 „Otto-Bauder-Anlage“ in Mannheim: Seckenheim, Ratsinformationssystem der Stadt Mannheim, 5. Juni 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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