1,2 Millionen Euro Mehrkosten für Jugendzentrum
Beim Umbau des Jugendzentrums Jukomm steht die Baustelle still, weil die Bauaufsicht fehlt: zwölf Monate Verzug, 1,2 Millionen Euro mehr
Was ist passiert?
Das Jukomm an der Stepgesstraße ist ein städtisches Kinder- und Jugendzentrum, das die Stadt gemeinsam mit einer evangelischen und einer katholischen Kirchengemeinde betreibt. Im Dezember 2024 beschloss der Rat, das Haus im Rahmen eines Städtebauförderprogramms umzubauen und zu ertüchtigen. Weil der Betrieb während der Arbeiten nicht weiterlaufen konnte, zog das Zentrum in ein rund 600 Meter entferntes Interimsquartier mit mehr als 600 Quadratmetern.
Anfang 2026 begann der Bau, nachdem sich einzelne Vergaben verzögert hatten. Bald zeigte sich, dass Teile der Ausführungsplanung überarbeitet werden mussten. Im März kündigte dann der Nachunternehmer, den das beauftragte Architekturbüro für die örtliche Bauüberwachung eingesetzt hatte, kurzfristig seinen Vertrag. Trotz eingeräumter Fristen fand das Büro bis Mitte Mai keinen Ersatz und legte auch die erforderlichen Unterlagen nicht vollständig vor. Nach externer rechtlicher Beratung beendete die Stadt daraufhin den Vertrag mit dem Büro.
Seitdem steht die Objektplanung vor einem Neustart. Zunächst sollen Gutachter die Baustelle und die vorhandenen Pläne sichern und bewerten, erst danach wird neu ausgeschrieben. Welche Planungsleistungen wiederholt werden müssen, wird noch geprüft. Weitergeführt werden vorerst nur die begonnenen Abbrucharbeiten. Die Stadt rechnet mit rund zwölf Monaten Verzögerung und Mehrkosten von rund 1,2 Mio. Euro. Sie entstehen unter anderem durch Gutachten, Vertragsverlängerungen, Baukostensteigerungen, die Lagerung bereits bestellter Bauteile, Wiederholungsleistungen und das neue Vergabeverfahren. Auf den Monat gerechnet sind das 100.000 Euro (1,2 Mio. Euro geteilt durch zwölf Monate) für eine Baustelle, auf der kaum etwas vorangeht. Ob die Stadt Schadensersatz erhält, wird geprüft. Das Zentrum soll nun in der ersten Jahreshälfte 2028 fertig werden.
Die Verwaltung nennt Verzug und Zusatzkosten „bedauerlich“, wichtig sei jetzt eine belastbare Grundlage. Das mag stimmen, aber Bedauern deckt keine Rechnung.
Kritik
Eine Sanierung dieser Größe darf nicht davon abhängen, ob ein einzelner Unterauftragnehmer des Planungsbüros im Amt bleibt. Wenn nach der Kündigung im März zwei Monate lang kein Ersatz auftaucht, hätte die Stadt die Bauüberwachung früher selbst absichern müssen, statt den Stillstand abzuwarten. Nun zahlen die Bürger für Gutachten, Lagerung und doppelte Planung. Die Stadt sollte ihre möglichen Schadensersatzansprüche konsequent durchsetzen und künftig die Bauüberwachung so vergeben, dass ein Ausfall nicht die ganze Baustelle lahmlegt.
0951/XI: Soziale Stadt Gladbach und Westend: Sachstand zur baulichen Ertüchtigung des städtischen Kinder- und Jugendzentrums Jukomm im STEP, Ratsinformationssystem der Stadt Mönchengladbach, 23. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.