142.000 Euro für neues Stadtlogo
Mönchengladbach zahlte 142.194,98 Euro für ein kleineres Wappen, sechs Farben und eine Schrift, zwei Drittel davon für Umfragen und Analysen
Was ist passiert?
Mönchengladbach am Niederrhein besteht aus 44 Stadtteilen und hat nach eigener Einschätzung ein Problem mit seinem Auftritt: In der Präsentation der Verwaltung heißt es, aktuell sei „kein einheitliches Erscheinungsbild erkennbar“. Abhilfe sollte ein Markenentwicklungsprozess schaffen, den die Stadt Mitte 2024 startete.
Die Rechnung dafür liegt nun vor. Insgesamt zahlte die Stadt 142.194,98 Euro. Den größten Posten bildete mit 95.252,98 Euro das Modul „Analyse und Befragungen“ der Stadtmanufaktur, also rund 67 Prozent der Summe (95.252,98 geteilt durch 142.194,98). Hinzu kamen 21.985,25 Euro für die Definition der Markenstrategie, 20.303,85 Euro für ein Modul „Implementierung“ und 4.652,90 Euro für eine Designagentur, die Vorlagen erstellte.
Das Ergebnis besteht aus vier „Stärkenfeldern“, darunter „Herz des Niederrheins“, die nach Angaben der Verwaltung ausdrücklich keine Werbebotschaften sind. Sichtbar wird davon vor allem das neue Corporate Design: ein reduziertes Wappen-Signet als Logo, eine Farbwelt aus sechs Farben und die Schrift Filson Pro. Das eigentliche Stadtwappen von 1975 bleibt dagegen für Briefbögen und Bescheide im Einsatz, und in der Büroumgebung werden weiter die gewohnten Systemschriften genutzt. Der neue Auftritt gilt also im Wesentlichen für die Öffentlichkeitsarbeit.
Bemerkenswert ist die Reihenfolge. Für „Implementierung“ sind bereits 24.956,75 Euro geflossen (20.303,85 plus 4.652,90 Euro). Gleichzeitig erklärt die Vorlage, dass die Implementierung erst jetzt beginne und sich über die kommenden Jahre erstrecken werde. Dazu gehören ein Markenhandbuch, die schrittweise Umstellung aller Kommunikationsmittel in der Verwaltung und bei den städtischen Beteiligungsgesellschaften sowie die „kontinuierliche Weiterentwicklung der Marke“. Was das kosten soll, steht nirgends. Zusätzliche Stellen wurden laut Vorlage nicht geschaffen, die Arbeit läuft also zusätzlich zum Tagesgeschäft.
Die Stadt begründet den Aufwand mit der Konkurrenz um Fachkräfte, Unternehmen und neue Einwohner. Hauptausschuss und Rat sollten den Bericht lediglich zur Kenntnis nehmen.
Kritik
Gut 142.000 Euro für ein verkleinertes Wappen, sechs Farben und eine Schriftart stehen in keinem überzeugenden Verhältnis zum sichtbaren Ergebnis, zumal das alte Wappen für die wichtigste Behördenpost weiter gilt. Zwei Drittel des Geldes flossen in Analysen und Befragungen, deren Erkenntnisse sich in vier allgemein gehaltenen Leitsätzen erschöpfen. Eine Stadt sollte vor einem solchen Prozess festlegen, welches messbare Ziel er erreichen soll, und die Folgekosten gleich mit nennen. Wer erst nach der Rechnung erklärt, dass die eigentliche Arbeit jetzt beginnt, setzt Steuergeld ohne Kostendeckel ein.
0815/XI: Markenentwicklungsprozess der Stadt Mönchengladbach: Sachstand und weiteres Vorgehen, Ratsinformationssystem der Stadt Mönchengladbach, 8. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.