Staatsbilanz

Stadt/Mönchengladbach/Fehlplanung

Schloss Rheydt: Museum ohne Geschichte

Mönchengladbach braucht 3,91 Millionen Euro für Brandschutz im Schloss Rheydt, obwohl Mängel seit 2020 bekannt sind und das Museum leer ist

Was ist passiert?

Schloss Rheydt ist eine Museumsanlage mit Torburg, Vorburg und Herrenhaus. In der Vorburg zeigte die Stadt bisher ihre eigene Geschichte. Nun soll der Rat die Brandschutzsanierung der gesamten Anlage und eine neue stadtgeschichtliche Ausstellung beschließen.

Die Lage dort ist ernüchternd. Bei der Fassadensanierung der Vorburg fanden sich im Herbst 2024 statisch relevante Schäden am Dachstuhl. Die Vorburg wurde bis auf das Erdgeschoss des Westflügels gesperrt, die Dauerausstellung vollständig zurückgebaut. Ein Wiederaufbau ist laut Vorlage nicht möglich, Mönchengladbach hat derzeit schlicht keine stadthistorische Dauerausstellung. Das Obergeschoss der Vorburg bleibt wegen des fehlenden zweiten Rettungswegs zu, im Ostflügel liegt das Erdgeschoss im Rohbau. Rund 25 Prozent der Ausstellungsfläche sind deshalb unbenutzbar.

Die Brandschutzmängel sind seit einer Schwachstellenanalyse vom 30.09.2020 aktenkundig. Für die Trafoanlage forderte ein Prüfbericht vom 17.01.2022 eine dringende Erneuerung. Beschlossen werden soll die Sanierung erst jetzt, gebaut werden soll von 2027 bis Mitte 2028. Von der ersten Analyse bis zur geplanten Fertigstellung vergehen damit fast acht Jahre.

Die Kosten: 3,1 Mio. Euro für den Brandschutz, 810.000 Euro für Ausstellung und bauliche Begleitmaßnahmen, zusammen 3,91 Mio. Euro. Im Haushalt stehen 1,5 Mio. Euro bereit, die übrigen 2,41 Mio. Euro (3,91 Mio. minus 1,5 Mio.) sollen 2027 und 2028 folgen.

Für die Ausstellung hofft die Stadt auf 648.000 Euro aus dem Programm Heimat-Zeugnis, das sind 80 Prozent von 810.000 Euro. Laut Anlage endet der Förderzeitraum aber am 31.12.2026, die Umsetzung ist für 2027 und 2028 geplant. Der Antrag war zum Zeitpunkt der Vorlage erst beabsichtigt. Die Verwaltung nennt das Vorgehen wirtschaftlich, weil Brandschutz und Innenausbau gemeinsam geplant werden und die Schließung der Vorburg so kurz wie möglich bleibe. Das ist nachvollziehbar, ändert aber nichts daran, dass die Vorburg bis 2028 als Museum ausfällt.

Kritik

Brandschutzmängel und eine überalterte Trafoanlage waren seit 2020 und 2022 bekannt, doch die Sanierung soll erst 2027 beginnen. Die Stadt nimmt damit in Kauf, dass ihr Museum jahrelang nur eingeschränkt oder gar nicht nutzbar ist. Wer 648.000 Euro Förderung einplant, muss den Zeitplan so legen, dass das Geld auch abgerufen werden kann, sonst bleiben diese Kosten bei der Stadt. Brandschutz und Ausstellung hätten früher und mit einem gesicherten Finanzierungsplan angegangen werden müssen.

0708/XI: Schloss Rheydt, Schlossstraße 508 Brandschutzsanierung der gesamten Schlossanlage sowie Neueinrichtung und bauliche Begleitmaßnahmen zur Umsetzung der stadtgeschichtlichen Ausstellung in der Vorburg, Ratsinformationssystem der Stadt Mönchengladbach, 23. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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