60.424 Euro für Abriss, der nie kam
Mönchengladbach plante den Abriss einer Treppe an der Hittastraße für 60.424 Euro, baut ihn nicht und steckt 213.069 Euro Zuschuss in Licht und Kunst
Was ist passiert?
Die Fußgängerunterführung an der Hittastraße verbindet das Westend mit dem neu gestalteten Geropark. Sie wird im Programm „Soziale Stadt Gladbach und Westend“ aufgewertet. Für das Teilprojekt wurden 270.000 Euro förderfähige Ausgaben bewilligt, bei 80 Prozent Förderquote also 216.000 Euro Zuschuss. Vorgesehen war, die Treppenanlage an der Turmstraße zurückzubauen. Sie versperrt Fußgängern die Sicht auf Radfahrer, die die Rampe hinunterfahren.
Doch Ende 2025 zeigte sich, dass der Rückbau wegen erheblicher Kostensteigerungen unwirtschaftlich ist. Übrig blieben Planungsleistungen für den Abriss in Höhe von 60.424 Euro, die nicht förderfähig sind. Die Stadt zahlt sie aus eigenen Haushaltsmitteln. Zum Vergleich: Die Planung der Teile, die tatsächlich gebaut wurden, kostete 17.753 Euro. Der Plan für den nie gebauten Rückbau war damit gut dreimal so teuer (60.424 : 17.753 ≈ 3,4). Auch Leuchtleiste und Boden der Unterführung kosteten mit 39.178 Euro weniger als diese Planung.
Das Fördergeld bleibt dennoch im Projekt. Die verbleibenden 213.069 Euro, rund 79 Prozent der Gesamtsumme (213.069 : 270.000), sollen in eine Licht- und Kunstgestaltung fließen. Vorgesehen sind Wandplatten mit 24 farbveränderlichen Lichtlinien, Projektionen wie „Vorsicht Radfahrer“, die bei Bewegung erscheinen, ein neuer Belag auf der Rampe und eine einmalige Graffiti-Entfernung. Die Verwaltung begründet das damit, dass der Förderzweck gewahrt bleibe und die Bezirksregierung die Förderfähigkeit signalisiert habe. Die Treppe, die die Sicht versperrt, bleibt aber stehen. Die Gefahrenstelle soll nun mit Lichtspielen und einer Markierung in der Engstelle entschärft werden.
Stand Juni 2026 war die Änderungsanzeige an die Bezirksregierung noch nicht eingereicht. Sie soll erst nach der politischen Beratung folgen. Die Maßnahme muss bis zum 31.12.2026 abgeschlossen sein.
Kritik
Wer 60.424 Euro für eine Planung ausgibt, bevor die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens geklärt ist, hat die Reihenfolge verkehrt. Dass dieses Geld verloren ist und die Stadtkasse trifft, ist die eigentliche Rechnung des Falls. Dass der Rest des Zuschusses nun in eine Lichtinszenierung umgelenkt wird, wirkt wie die Suche nach einem Verwendungszweck für vorhandenes Geld. Die Ursache der Unsicherheit, die versperrte Sicht an der Treppe, bleibt bestehen. Zuerst hätte man die Kosten des Rückbaus belastbar ermitteln und erst dann planen müssen.
0659/XI: Soziale Stadt Gladbach und Westend: Alternative Aufwertungsmöglichkeiten Unterführung Hittastraße, Ratsinformationssystem der Stadt Mönchengladbach, 17. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.