Staatsbilanz

Stadt/Mönchengladbach/Fehlplanung

80.000 Euro für elf Parkplätze statt Bäume

In Mönchengladbach will die Stadt an der Engelblecker Straße für 80.000 Euro Bäume und Beete opfern, obwohl sie das selbst kritisch sieht

Was ist passiert?

Mönchengladbach (NRW). Die Engelblecker Straße ist eine Sammelstraße im Osten der Stadt und gehört zum Vorrangstraßennetz, das die Politik 2018 beschlossen hat. Entlang der Straße liegen Grünbereiche mit Bäumen und Staudenflächen. Genau dort will die Verwaltung nachträglich Parkplätze einbauen.

Angestoßen wurde das Vorhaben im August 2023. Damals beauftragte der Ausschuss für Umwelt und Mobilität die Verwaltung, die Straße zwischen Am Baumhof und dem Nordring zu überplanen und Stellplätze in die Grünbereiche zu bringen. Im Oktober 2024 folgte der Auftrag der Bezirksvertretung Ost, die Pläne zu konkretisieren. Herausgekommen sind elf Parkstände, verteilt auf sechs Flächen zwischen den Hausnummern 109 und 184.

Die Stadt veranschlagt dafür rund 65.000 Euro. Rechnet man die Kosten um, kostet jeder Parkstand etwa 5.900 Euro (65.000 Euro geteilt durch elf). Hinzu kommen rund 15.000 Euro für zwei barrierefreie Querungen, sodass das Paket auf etwa 80.000 Euro kommt. Bezahlt werden soll es aus dem Topf „Ausbau kleinerer Parkplätze“. Die Mittel dafür seien 2026 in ausreichender Höhe vorhanden.

Bemerkenswert ist, was die Verwaltung in ihrer Vorlage selbst anmerkt. Sie weist ausdrücklich darauf hin, dass der Eingriff in die Grünfläche, die ausbleibende Wiederherstellung der Baumallee und die Versiegelung von Staudenflächen für nur wenige Stellplätze aus ökologischen und klimatischen Gründen kritisch zu sehen seien. Die Behörde baut also, was sie selbst für fragwürdig hält, weil die Politik es so bestellt hat.

Die Vorlage vom März 2026 sollte Mitte und Ende April 2026 in der Bezirksvertretung und im Ausschuss beraten werden. Ob die Gremien zugestimmt haben, ist nicht bekannt. Die Umsetzung steht zudem unter dem Vorbehalt, dass der Kämmerer die Mittel freigibt.

Kritik

Elf Parkstände für rund 65.000 Euro sind teuer erkauft, wenn dafür Grünflächen und eine Baumallee geopfert werden, die nach den Worten der Verwaltung selbst nicht wiederhergestellt werden soll. Wer in der Vorlage den ökologischen und klimatischen Schaden so deutlich benennt, sollte das Projekt auch stoppen, statt es dennoch umzusetzen. Sinnvoller wäre es, die Baumallee zu erhalten und das Geld in Maßnahmen zu stecken, die der Straße nützen, ohne Grün zu versiegeln. Gebaut werden sollte nur, wenn der Nutzen für wenige Stellplätze den Verlust an Stadtgrün wirklich aufwiegt.

0457/XI: Parkraumschaffung in der Engelblecker Straße, Ratsinformationssystem der Stadt Mönchengladbach, 16. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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