97.000 Euro für fünf Fitnessgeräte
In Mönchengladbach-Giesenkirchen weicht ein Beachvolleyballfeld fünf Fitnessgeräten für 97.000 Euro, geplant waren 25.000 Euro je Stadtbezirk
Was ist passiert?
Am Spielplatz Fliederweg im Stadtteil Giesenkirchen liegt ein Beachvolleyballfeld. Die Stadt will es durch eine Outdoor-Fitnessanlage ersetzen, in jedem der vier Stadtbezirke soll so ein Bewegungsort für alle Generationen entstehen. Gedacht war an kleine Lösungen: Aus den strategischen Mitteln für den unnormierten Sport 2024 standen 100.000 Euro bereit, im Schnitt also 25.000 Euro je Bezirk.
Die Rechnung ging nicht auf. Nach einer Online-Beteiligung wünschten sich die Bürger Geräte, die auch Menschen mit Behinderung nutzen können. Das verlangt einen fugenlosen Kunststoff-Fallschutz, der laut Verwaltung „sehr kostenintensiv“ ist. Schon mit zwei Geräten je Fläche reichte das Geld nicht, weshalb die Stadt 79.000 Euro aus den Mitteln für 2025 dazugeben wollte. Danach beschloss ein runder Tisch der Sportpolitik, jede Fläche um drei weitere Kleinsttrimmgeräte zu ergänzen. Dafür sind die Flächen in Nord und Ost zu klein. Es mussten neue Standorte her.
In Giesenkirchen fiel die Wahl auf das Beachvolleyballfeld. Es biete „einen optimalen Standort“, und nach Erkundigungen der Verwaltung werde es nicht mehr genutzt. Vorgesehen sind ein Fitness-Kombigerät, ein inklusiver Barren, ein Schlingentrainer, eine inklusive Brustpresse und eine Balancieranlage. Die Kosten schätzt die Stadt auf rund 97.000 Euro. Das sind 19.400 Euro je Gerät (97.000 : 5) und knapp das Vierfache des ursprünglichen Bezirksbudgets (97.000 : 25.000 = 3,9).
Im Bezirk Nord sollen vier Geräte rund 95.000 Euro kosten. Zusammen kosten die beiden Anlagen 192.000 Euro (95.000 + 97.000). Das ist mehr als die 179.000 Euro (100.000 + 79.000), die ursprünglich für alle vier Bezirke zusammen vorgesehen waren. Der Ausschuss beschloss den Standort im Februar 2026 mit 18 Ja-Stimmen, vorbehaltlich der Bezirksvertretung Ost, der das Vorhaben im April 2026 vorgestellt wurde. Woher die 97.000 Euro kommen sollen, nennt die Vorlage nicht.
Kritik
Ein Bürgerwunsch nach Barrierefreiheit ist berechtigt, doch er darf nicht dazu führen, dass eine Anlage fast das Vierfache des vorgesehenen Budgets kostet. Wenn der Fallschutz allein den Preis so stark treibt, hätte man vorher prüfen müssen, ob eine kleinere oder günstigere Ausstattung reicht. 19.400 Euro je Gerät für eine Fläche, die ein Nachbarbezirk mit weniger Mitteln nie hätte bekommen können, sind nicht zu rechtfertigen. Erst recht nicht, wenn die Finanzierung noch nicht gesichert ist und die Kosten bei einem nach Verwaltungsangaben ungenutzten Feld zusätzlich in einen Neubau fließen.
0358/XI: Umsetzung des Maßnahmepakets Kleingeräte Sport im urbanen Raum, Ratsinformationssystem der Stadt Mönchengladbach, 10. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.